Der Tag begann gut, das Frühstücksbüffet war reich bestückt, der Saal geschmackvoll und wir erwartungsfroh auf die Abenteuer, die auf uns warteten. Denn heute war der Tag: Der Tag, an welchem wir den Ural passieren wollten, eine Bergkette, die jedes Kind kennt, von der aber keiner weiss wie sie aussieht, wo sie genau liegt (irgendwo in Russland) und wie hoch dass deren Gipfel sind. Nun dank Internet-Datenverbindungen haben wir unser Wissen beim Frühstück noch aufgefrischt und dann beschlossen die Sauerstoffgeräte hier zu lassen – wenn der höchste Gipfel 1800 M.ü.M ist, müssten wir das ja auch noch ohne Luft-Doping schaffen.
Auf der Stadtausfahrt von Ufa liess sich wie immer so manches erspähen, z.B. Wasserverkaufsstellen in Form einer Wasserflasche (sinnig), oder eine30er Jahre Jazzparty vorgaukelnde Fassadenmalerei obwohl darin Ramschkleider und Sushi feilgeboten werden.
Gebaut wurde auch in Ufa, wobei uns aber nicht immer klar war, ob jetzt hier auf- oder abgebaut wird – resp. ob die tatsächlich eine Skisprunganlage mitten in der Stadt einfach so auf ein Hausdach montieren können? Wehe dem Skispringer, welcher sich hier verfliegt!
Danach gings überland, wobei auch mal die wunderschöne 42 gefötelt werden muss. Ebenso eine typische Waldsiedlung, aus welcher die Leute dann halt zur Autobahn laufen müssen – Fussgänger hat es denn auch immer und überall und v.a. auch in den entlegensten Winkeln. Und wie wir es von der Schweiz kennen, ist die Crux an den Bergen, dass dort oft Wetter gemacht wird, so auch hier und so hat es leider bei unser Uralüberquerung immer mal wieder geregnet.
Damit wären wir bei unserer Baustelle des Tages – nicht bloss weil endlich mal ein eindrückliches Panoramafoto gelungen ist, sondern weil diese Bauarbeiter – fernab der Zivilisation immerhin ein recht gemütlich anzuschauendes Camp am Fluss aufgebaut haben. Wenn nur der Regen nicht wäre – aber das kennen ja auch wir vom Campen in England…
Überlandfahrten sind auch deshalb spannend, weil man immer wieder vom Warenangebot überrascht wird – wir haben schon ganze Tierhandlung in Plüsch, Warenhäuser voll Tarnkleider, Plastiksäcke in Tierform gefüllt mit Popcorn, Felle, soviele Samowars, dass man daraus den Panzerkreuzer Potemkin hätte fertigen können etc etc gesehen. Und weil inzwischen auch hier die Nachfrage das Angebot bestimmt, gibt es an fast jeder Tanke in etwa das Ersatzteilesortiment des ATU inkl. eindrucksvoller Ölauswahl.
Eine willkommene Abwechslung zwischen all den Wäldern – von denen hat es durchaus einige – nicht uninteressant – viele Bäume machen einen Wald und da gibt es schon Unterschiede, zum Beispiel die Allewälder entlang den Strassen, die Felder-Teil-Wälder, die Schnee-Verwehungsschutzwälder, die Inselwälder mitten in einem Feld drin, die Urwälder, die Flusswälder etc. aber wir schweifen ab – also zwischen den Wäldern da sind Schilder eines der Highlights – Dorfschilder sind oft kunstvoll gestaltet und die tiffigeren Restaurateure haben auch schon begriffen, dass ein cooles Schild oder ein Oldtimer als Aufhänger mehr Kunden anlockt – und entfernt auch noch den Schildern zuzurechnen sind all die Statements auf LKWs, welche von einem bewegten Leben und berühmten Vorbesitzern zeugen.
So glitten wir über den Ural, bewunderten das Bergrestaurant – also eigentlich ein Skihütte – einfach 2000 Meter zu tief
sahen sogar einen neuen Typus Wald – nämlich der Verneig-Wald, welcher offenbar zuviel Wind oder Schnee die Ehre erwies
und schafften es dann tatsächlich dass wir von all den Fotos des Tages gerade mal ein verwertbares Ural- Bergfoto hatten. So sieht er also aus, der Ural.
Und so sieht es ennet dem Ural aus – nein wir haben hier keine Fotos aus der Schweiz reingemacht und ja – wir sind nun tatsächlich bereits auf einem Längengrad in der Nähe von Westindien also dem Westen Indiens und nicht Westindien welches ja bekanntlich ganz woanders liegt, aber da eh alle Cricket spielen könnte man über solche Unterschiede auch hinwegbügeln – auf jeden Fall also scheinen die Rindviecher hier durchaus schon indisches Kharma zu spüren und fordern daher ihre Wegrechte deutlich resoluter als ihre europäischen Cousinen ein.
Neben den Kühen ein weiterer typischer Strassenbewohner ist der neue LKW – egal wo in Russland, irgendeine Fahrzeugfabrik ist immer in der Nähe und wenn die Kunden die Karren nicht abholen kommen, müssen halt die Karren zu den Kunden gefahren werden.
Kurz vor Kurgan dann der Beweis, dass man Google und all den Geschichten nicht immer Glauben sollte und dass nur gilt was man selbst gesehen hat – und das heisst für uns: Der Ayers Rock liegt gar nicht in Australien, sondern in Westsibirien. Was ja auch Sinn macht, denn wenn – wie wir noch zu beweisen hoffen, bei Magadan die Welt zu Ende ist, dann ist auch die Existenz von Australien fraglich – also muss der Ayers Rock halt irgenwo sonst sein.
Ein weiteres Ritual ist das nachführen der Sponsorenliste, d.h. all der treuen A-Team Members welche unser Fundraising für cool Earth via justgiving unterstützt haben (es hat übrigens immer noch Platz auf der Motorhaube und für schlappe GBP 66.– seid ihr nicht bloss B.A. Baracus Members, sondern ihr rettet damit auch noch die Welt und bekommt von uns eine Postkarte von Magadan! Also los – klinkt euch via Startseite unseres Blogs auf justgiving ein und werdet Teil unserer Community) . Die Liste auf der Motorhaube ist sogar sehr stilvoll in edlem Gold auf silbernem Untergrund gehalten – leider jedoch noch etwas kontrastarm – wir arbeiten daran. Nachtrag der Redaktion – kaum geschrieben hatte Mad Murdoch in Kurgan einen kleinen Anfall und fuhr mit diabolischer Freude durch alle Schlammpfützen die sich anboten. Damit war das Thema Kontrast dann auch erledigt.
Die Einfahrt nach Kurgan erfolgte in passender Abendstimmung – die Stadt hat nicht ganz so viel zu bieten wie andere Stopps, herber Charme wäre eher übertrieben – irgendwie ist das einfach eine ca 350’000 zählende Stadt im Nirgendwo, aber mit sehr herzlichen Menschen – welche sich schon auch bemühen der Stadt etwas Schmuck zu verleihen, so z.B. mit einem liebevoll neonisierten Panzer (hier müsste mich nun El Commandante oder the General unterstützen, um welches Modell es sich handelt.
Auf die netten Menschen habe ich schon hingewiesen und das kam so: Wir haben wie immer am Nachmittag mal übers Internet versucht ein Hotel auszubaldowern, was aber deshalb schwierig war, weil wir nicht wussten wo Downtown lag. Nach längerem hin und her zwischen Kompletthotel mit Rittersaal-Restaurant und allem drum und dran, welches aber etwas ausserhalb lag, haben wir uns dann für das Hotel Prestige entschieden, welches immerhin mit einer Bar und einem Billiardtisch Werbung machte. Wie sich vor Ort herausstellte, war das dann allerdings stark untertrieben, denn offensichtlich war das Hotel früher mal eine Saune-Wellness-etc-Oase wobei als einziges Relikt aus früheren Zeiten die Möglichkeit verblieben ist, das Zimmer auch stundenweise zu mieten. Wir haben dann trotzdem das Zimmer Athen mit Frühstück ganz normal für einen Tag gebucht und es nicht bereut – denn die beiden Damen an der Reception haben sich wirklich bemüht, dass alles klappt und dazu haben sie – während wir Abendessen waren – wohl stundenlang im Google Translator Fragen eingetippt und ausgedruckt – z.B. welches der vier Frühstücksmenus wir den wünschen würden…
Eine leicht zweideutige Bemerkung auf dem adventurist Tracker System hat uns sodann einen Eintrag im wöchentlichen Hall of Fame Bericht eingebracht, wobei mit den Briten mal wieder die Fantasie durchging und sie hinzutexteten wir würden die Balls to the Wall driven, was wir nun gar nicht verstehen, weil wir auf Rädern und nicht Balls rollen, Wänden ausweichen – aber was solls – wir müssen wohl diese Frage auch mal dem Google Translator stellen.
Das Prestige in Kurgan, ein Hotel von Welt (mit klaren Vorstellungen hinsichtlich räumlicher Trennung => Nord und Südamerika)
unser Zimmer Athen
und besagter Hot Tub, welcher die Fantasie der Briten befeuerte.
Dank einem feinen Znachtessen fand ein weiterer anstrengender Fahrtag einen guten Abschluss – ich liebe es, wenn solche Pläne funktionieren.
