26.07.2015: Kasan – Ufa

Sonntag war nicht Ruhetag, den hatten wir ja schon am Samstag eingezogen. Und weil uns der gebrochene Auspuff all die Lücken in unserer Ausrüstung drastisch offenlegte, haben wir dann per Internet den nächsten Obi angepeilt und sind hingefahren. Kazan ist auch eine Boomtown – gebaut wird wie verrückt. Und – auf die Gefahr uns zu wiederholen – die Welt ausserhalb unseres bekannten Westeuropas ist normaler als man denkt. So gibt es auch in Tatarstan eine Ikea oder eben einen OBI und  vor allem Internet und damit weiss man eh überall alles,

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oder Bankomaten – und zwar viele – mehr ist besser!

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Und der OBI in Kazan hat so ziemlich alles auch, was man in Wetzikon auch kriegt. Also Draht, Schaufel, einen Kocher (hier halt die russische Variante als Holzkohlengrill und nicht die verweichlichte Camping Gaz Comfortlösung – aber eigentlich wollte ich schon immer am 1. August ein Fondue auf dem Holzfeuer grillen… und für den Auspuff haben wir eine Bohnenstange gekauft, also so eine Metallspirale um in den Garten zu stecken, damit die Bohne oder Tomate oder so klettern kann – die werden wir dann halt notfalls um den Auspuff leiern – muss halten.

Anschliessend sind wir entspannt losgecruist und haben Ufa (also nicht Uefa) angepeilt. Typischerweise startet Mad Murdoch, weil er aufgrund des Drive-Lags am Morgen mit etwas Autofahren wach werden will, ich versuche schon etwas zu bloggen und helfe navigieren und so um den Mittag rum werden die Rollen getauscht. Das ganze ist zwar sehr interessant, weil wir enorm viel sehen und erleben, aber auch anstrengend, weil man immer alles gleichzeitig tun muss – denn Fotos müssen auch noch geschossen werden, sonst würde der Blog dann doch allzu pseudo-literarisch verkopft (wie jetzt unsere lieben Oesterreicher Kollegen von der Banjul Rally anno 2006 sagen würden – und darauf dann einen Enzian kippten). Jedenfalls ist auch das beifahren nicht zu unterschätzen – wird es doch allzu leicht zum beischlafen, was a) so natürlich gar nicht geht und b) jetzt in Russland aus diversesten Gründen auch nicht gut wäre, der Strassenverkehr erfordert schlicht die volle Konzentration der ganzen Besatzung und mit dem Beischlaf ist in Russland ja auch  sonst nicht zu spassen – sensibel für heikle Themen bestellen wir immer auch separate Betten, denn so gut wie wir uns verständigen können, wagen wir uns nicht auszumalen, was sich die Russen, denen wir begegnen alles denken. Zwei Schweizer on Tour in Sibirien ist sicherlich zumindest etwas schräg.

Und Sibirien nähern wir uns nun so langsam tatsächlich. Die Landschaften sind gewaltig – Bilder und Worte vermögen diese Unendlichkeit nur schlecht wiederzugeben – aber so sieht meine treue Knipse Bashkortostan

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Neben endlosen Weiten gibt’s auch schweizerische Elemente wie Kuhherden oder allgegenwärtiger Reichtum – hier ersichtlich an den überall vorhandenen Ölförderanlagen. Aufgrund sonstiger empirischer Nachforschungen müssen wir allerdings mutmassen, dass sich der monetäre Reichtum auf doch einige sehr wenige konzentriert – die fahren dann die fetten Geländewagen und mit denen darf man dann auch überall überholen, Staus auf oder neben dem Pannenstreifen passieren – so richtig sympathisch die Macht des Stärkeren demonstrieren halt.

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Daneben gibt es Felder, die bis an den Horizont reichen und die auch von richtigen Traktoren bearbeitet werden.

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Nicht fehlen darf die obligate Kolummne zu den …-stellen, also z.B. Tank-  und Baustellen und auch davon gibt es wie überall in der Welt viele.

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Zum Glück muss man sagen, denn die Strassen sind zwischendurch eine echte Gefahr für die mechanische Integrität der rollenden Verkehrsteilnehmer und so nehmen wir die Baustellenstaus gerne in Kauf – für euch – denn wenn ihr, inspiriert von diesem Blog in ein paar Jahren aufbrechen werdet, dann könnt ihr vermutlich von Züri aus auf einem samtenen, doppelspurigen Betonband bis hinter den Ural rollen und wenn ihr noch 2-3 Jahre länger wartet, dann lenkt euch google dahin und ihr könnt euch die Reise dann wirklich schenken.

Egal – so ziehen wir dahin, amüsieren uns über die extra leichten Absperrelemente, die aber mit Steinen beschwert werden müssen, weil sie vermutlich sonst den Arbeitern regelmässig um die Ohren fliegen.

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Zwischendurch muss immer mal auch wieder ein Dorf gekreuzt und die mit bescheidenen Mitteln trotzdem herausgeputzten Häuschen bewundert werden.

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Aber auch auf der Strasse ist viel los – Röhrentransporte – das gibt Lust auf Cannelloni – und hier ein Franzmann oder so der sich nun definitiv heftigst verfranzt hat, oder haben wir mal wieder ein Navi-Problem?

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Gegen Abend sind wir dann in Ufa eingelaufen und haben das Hotel Azimuth angesteuert. Das passt gut – denn der Azimuth ist ja irgendwie richtungsweisend, also bei den alten Kasettengeräten war das die Schraube, um den Tonkopf perfekt senkrecht zu stellen, weil sonst die Höhenwiedergabe gelitten hätte,wobei Höhen aktuell zwar nicht das Thema sind, denn Russland ist hier also schon recht flach – aber morgen steht die Etappe über den Ural an und da schadet es sicher nicht, wenn wir korrekt genordet / geazimutht und mit voller Höhenpower ans Werk gehen können.

Eingangs Ufa passierten wir das typische “Stadttorhäuschen” und genossen einmal mehr eine schön grosszügige Einfahrtsautobahn.

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Um genau rechtzeitig im Azimuth einzutreffen und für einmal den Sonnenuntergang festhalten zu können.

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Danach ging’s dann hungrig ins Restaurant nebenan, wo wir nicht mal anhand der Bilder qualifiziert bestellen konnten – also auch wenn das sehr touri-mässig ist, englische Speisekarten haben durchaus auch Vorteile! Abschliessend haben wir dann vor dem Hotel noch eine Zigarre geraucht und ein paar Worte mit einer Music-Combo von irgendwo gewechselt – die heissen Animal Jazz und spielen alternative Rock – alles klar 1.2.3.4 und Vollgas! Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert – einmal mehr – und morgen geht’s dann weiter nach Kurgan.

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