Unsere erste Nacht in der Wüste haben wir gut überstanden und etwas ausgeschlafen, bis die Sonne und damit die Hitze in unserer Jurte einfach zu intensiv wurde. Danach flugs das Fondue-Caquelon mit etwas Sand und Wasser ausgeschauert und Kaffee, Stocki-Quick-Menu und China-Nudelsuppen gekocht und uns so für die weiteren Pistenkilometer gestärkt. Denn die Strecke von Khovd nach Altai wurde von unserem Gastgeber in Olgi als ca. 450 Km Lang, wovon 200 Km Teerstrasse und der Rest Piste taxiert. Und nachdem gestern der Tarmac – eine Liebkosung der Welt an einen Mr Mac Adam, welcher den Teer oder die Strasse oder so erfunden haben soll, weshalb die Franzosen Teerstrassen immer noch als Macadam bezeichnen – und der Tarmac wohl vom geteerten Mac kommen muss – jedenfalls wir lieben ihn auch. Aber eben gestern reichte der Teer bloss für 180 Km, danach haben wir in 1 1/4 Stunden Fahrt genau noch 50 Pistenkilometer geschafft und somit würden wir heute grad richtig einsteigen.
Bei der Piste ist zu beachten, dass es eine unglaubliche Vielfalt gibt: Und wir reden jetzt nicht von den Flugpisten oder den Skipisten, sondern nur von echten Offroad-Pfaden auch Piste genannt. Da gibt es mal den Typ trockenes Bachbett bergauf, wo man immer hofft, dass der Bach nicht plötzlich ausbricht. Dann gibt es die endlos geradeaus Schotterstrasse, welche man eigentlich sehr gut mit flotten 80 – 100Kmh beflitzen kann – jedenfalls solange darauf nicht das gefürchtete Wellblech liegt:
Dieses Wellblech kommt in unterschiedlichsten Ausprägungen daher und bedeutet mehr oder weniger extremes Rütteln und Schütteln. Das Gegenmittel dazu ist Speed, um quasi auf den Wellenkronen obenauf zu bleiben. Leider ist es nun sehr Autoabhängig, bis zu welcher Wellblechtiefe man noch obenauf fliegen kann – ist man nicht obenauf, muss man dann mit der Geschwindigkeit untendurch d.h. so ca. 10-15 Kmh und durchschaukeln. Allerdings gibt es hier durchaus recht fähige Fahrzeuge und wir habe bei einer der übelsten Pisten einen Toyota Landcruiser mit sicherlich gut 100 Sachen (also die Passagiere und Fracht innendrin nicht mitgerechnet, sonst wären’s 150 gewesen) vorbeifliegen sehen. Und das ist dann auch der kritische Punkt – weil man effektiv etwas fliegt, reagiert das Auto auch zuerst wie in Flugzeug und gleitet dahin – später dann steckt man brutal in den Wellen ein und wird zusammengestaucht. Daneben gibt es aber auch noch die Piste Malifiziosus – gekennzeichnet durch die Absenz von Wellblech und vermeintlich guten Konditionen, wobei sich aber alle paar hundert Meter eine brutale Bodensenke versteckt – typischerweise erahnbar, wenn man sich vorstellt, wo Wasser abfliessen müsste, wenn es mal regnet. Ähnlich fies ist die Trollpiste – bei welcher immer mal wieder grosse, spitzige Steine im Weg lieben – denn die Trolle die hassen die Reifen und die Reifen hassen die spitzigen Steintrolle, weshalb man die zwei voneinander fernhalten sollte. Eher selten in der Mongolei sind die Sandpisten – jedenfalls auf unserer Route. Wir haben aber einen Untertyp davon befahren und zwar wurde für das Trassee der neuen Teerstrasse ein ordentlicher Aufbau gemacht, wobei als mittlere Schicht auch Sanderde eingebracht wurde – da kam schon fast Saharafeeling auf unser Terios hatte richtig Freude – allerdings war das befahren des Trassee wohl noch nicht vorgesehen und so zog sich alle 500 Meter ein mannshoher Erdwall quer über die Piste, was meist zu einer kleinen Driftkurve mit anschliessender Durch- / Überfahrung der seitlichen Erdwälle führte – im Zick Zack um den Wall rum und dann wieder beschleunigen und Sandpiste heizen. Mit all dem Sand gefiel das dem Terios so sehr, dass er begann nach jeder Geradeausstrecke die ersten Lenkmanöver mit heftigem Quietschen zu bejubeln – ist halt auch ein Naturbursche! Später in der Mongolei haben wir dann auch noch Graspisten und weitere interessante Sorten Fahrbahn kennengelernt – aber dazu später einmal mehr.
Die Eintönigkeit der Landschaft wird immer mal wieder durchbrochen von solchen Skulpturen – gemäss Mad Murdoch handelt es sich um Kunstwerke eines lokalen Künstlers, welcher den Abfall unterwegs einsammelt, damit die Menschen daran gemahnt werden, nicht soviel Abfall zu produzieren – leider mit gegenteiligem Effekt, weil die Mongolen dermassen Freude an diesen Kunstwerken haben, lassen sie überall den Abfall liegen…
Dafür muss man aber auch Verständnis haben, haben wir doch im ganzen Land nur genau eine einzige Kehrichtverbrennungsanlage gesehen – und selbst die hatte noch keine Rauchgasreinigungsanlage…
Die Abfallproblematik ist dermassen omnipräsent, dass es übrigens ratsam ist, immer auf der Strasse selbst oder auf der Piste anzuhalten, weil überall sonst die Erde mit Scherben von Vodka Flaschen gezuckert und mit sonstigem Müll übersäht ist. Vodka & Co scheinen denn auch ein weiteres Problem zu sein – auf der einen Tarmac Strecke – lag alle 10 Km eine frische, leere Bierdose auf der Fahrbahn – wir müssen annehmen, dass das Auto ganz schön Durst hatte und mit alternativem Treibstoff betrieben wurde. Dieser alternative Treibstoff wird auch der Grund dafür sein, dass man in jedem Mini-Markt ein ansehnliches Arsenal an Alkoholika kaufen kann – oft sind sogar auch ein paar Flaschen Wein dabei, was – wenn man Fondue kochen will – ganz praktisch ist.
Doch diese Wüste kann auch unerbittlich sein – wehe dem, der eine Panne hat – da hilft nur Warten…
Baustellen gibt es überall – auch mitten in der Wüste. Und dann gibt es noch Baustellen, die welche sein sollten, es aber nicht sind – so fährt man halt wieder mal durch einen Fluss.
Und als Überlebenstipp für alle, die so eine Reise nachfahren wollen: Wenn mehr oder weniger offensichtlich Steine im Weg liegen,
sollte man dies nicht als Herausforderung an Fahrer und Fahrzeug verstehen, sondern bremsen, denn dahinter lauert vielleicht so etwas:
also eigentlich eine weitere Baustelle… und auch wir hatten noch eine Baustelle offen – denn mitten in der Weite der Mongolei
haben wir eine Grenze geknackt:
schwierig zu lesen und nicht für die Ewigkeit – aber für uns ein Moment ein kleines Bisschen zufrieden zu sein: Wir haben die 10’000 Km Grenze durchfahren und zwar nicht bloss auf westeuropäischen Samtuntergrund, sondern auch auf asiatischer Lebensschule:
Nach harter Navigation und einigen Stunden Pistenrumpelei tauchte dann endlich die Bestätigung auf, dass wir richtig gefahren waren (man erinnere sich, die Entscheidung, welche Abzweigung richtig sein würde, hatten wir ja schon am Vortag treffen müssen. Sehr sinnvoll also, dass es unterwegs nie Schilder hat, man aber bevor man den Flughafen erspäht, darauf hingewiesen wird, dass man in Altai ist. Könnte ja sonst noch passieren, dass jemand zum falschen Flughafen fährt!
Altai selbst war dann ein weiteres in der Hitze darnieder liegendes, chillendes Wüstendorf. Wobei das nicht heisst, dass die Leute hinter dem Mond oder in der Jurte leben – irgendwie scheinen wirklich nahezu alle Bedürfnisse auch hier am Rand der besiedelten Welt abgedeckt zu werden…
und neben schöner Wohnen ganz essentiell ist natürlich auch schöner aussehen, weshalb hier offensichtlich auch ein Schönheitssalon überleben kann – hätten wir uns gerne gegeben – nach 2 Tagen Pistenkampf kann etwas aufhübschen nicht schaden – aber das Etablissement war leider wegen Sonntag geschlosssen, also weiter
raus aus Altai – Richtung Bayanghokor – von da aus sollte der Weg dann wieder einfacher sein. Beim Ortsausgang der Standard: Tankstelle mit Monument / Dorfschild. Daneben gab’s offensichtlich ein paar Reitwettkämpfe und die letzten Pferde wurden auf die Transporter gehievt – auch hier werden die Rösser also zwischendurch mal gefahren.
Später begegneten wir dann noch den obligaten Kamelen, suchten uns ein gutes Plätzchen für die Nacht und campierten wunderschön auf einem kleinen Hügel – nahe einer Richtfunk etc Antenne, womit immerhin auch der Natel-Empfang gesichert war – in einigen Jahren wird man wohl auch hier oben via 4G den letzten Unsinn aus der Welt streamen können.
Und bei einem feinen Znacht im Sonnenuntergang ging ein weiterer intensiver Fahrtag zu Ende. Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert – nämlich campen ohne Regen!

Hallo Jonathan und Ruedi,
eure Erlebnisse haben wir angeschaut.und gelesen. Wie weit müsst ihr noch reisen?
Das sind Lebenserfahrungen, die wertvoll sind für euch. Wir hoffen, dass ihr immer
den richtigen Weg durch die Wüste findet, auch ohne Wegweiser.
Bei uns sind wir noch am Schwitzen, bis zum nächsten Gewitter.
Also, ganz herzlichen Dank für eure Berichte und alles Gute für euch beide,
Lidia und Otto