Während wir drei (Jimbo aka Murdock / Face / BA) diese Zeilen schreiben, steht das A-Team-Max-East wir im Stau vor der Grenze von Mongolien zurück ins Mutterschiff Russland. Es sieht aus, als würden wir hier mehrere Stunden warten, bis wir durchkommen. Der BA in mir würde sich gerne mit den Fäusten den Weg verschaffen, aber der Mad Murdock weiss nicht so recht.
DrD aka Colonel John Smith oder Hannibal hat ja einige Blogbeiträge verfasst – Zeit also, dass auch wir drei uns wieder mal zu Wort melden. Als ich das letzte Mal was verlauten lassen habe, waren wir bereits schon hinter dem Ural in Ufa (nein, nicht die Melkmaschinenmarke, die bei uns bei den Sennen auf dem Käppli steht, sondern die Stadt in Sibirien). Zusammenfassend kann man sagen, dass das Land hier ziemlich platt und dass das Fahren eher ein bisschen langweilig ist. Wie wir heute wissen, ändert sich das in der Mongolei recht radikal.
Von Ufa sind wir nach Omsk geprescht, eine weitere über-10-Stunden Etappe, so dass wir keine Zeit hatten, Abends etwas anzuschauen – schade eigentlich, denn Omsk wäre wohl noch recht schön gewesen – der Colonel hat am nächsten Tag noch eine Kirche angeschaut, während wir drei im Auto warteten. Und es hat ihn so richtig verregnet, dass seine Zigarre auslöschte. Liess uns restliche Drei aber ungerührt – war ja sein Plan, der uns vom gesitteten Sightseeing abhielt. Weiss nicht, ob der Regen darin vorgesehen war. Der Plan ist aufgegangen, aber geliebt hat er das dieses Mal wohl nicht.
Nach Omsk auch wieder eine über-10-Stunden Etappe nach HOBOCIbIPCK oder Novosibirsk in lateinischer Schrift. Das via www von unterwegs gebuchte Hotel Palace, oder NALAC (wobei das N eher wie ein Torbogen aussieht) entpuppte sich als weiteres Highlight – der Empfang hatte wohl noch einen gewissen Charme …
…. das Zimmer jedoch war in einem nahe gelegenen Plattenbau im obersten Stock hinter einer etwa 4-fach gesicherten Türe. Was den Murdock in mir beruhigte und zugleich beunruhigte. Waren unsere Organe hier sicher oder würden wir irgendwann mit einer Narbe in der Leistengegend aufwachen?
In Novosibirsk hatten wir Gelegenheit, die noch recht aparte Stadt ein bisschen anzuschauen, uns die Füsse zu vertreten und uns mental auf den Grenzübertritt Russland – Mongolei vorzubereiten. Lustige Statuen haben sie da …
… und wir haben auch den Nachfolger des Zaren gesehen. Der heisst heute King Burger und ist recht imposant:
Die Route von Novosibirsk runter in Richtung mongolische Grenze durch einen Teil des Altai Gebirges war ein Highlight. Wunderschöne Flüsse und Natur – offenbar auch ziemlich touristisch, v. a. aber innerrussischer Fremdenverkehr. Manchmal fühlte man sich ans Engadin oder auch an Kanada erinnert.
Flugs noch an einem Zwischenhalt einen Schaschlung runtergeschlickt – oder umgekehrt und ein paar Souvenirs geshoppt. Ich spare mir an dieser Stelle den Witz mit ein paar Shopvenirs gesoffen – wäre zu viel des Sauglattismus.
Dann haben wir es uns wieder mal richtig gegeben: Im irrigen Glauben, es gehe so weiter mit der touristischen Infrastruktur fuhren wir fröhlich voran. Der Hotels wurden weniger bis keine und die Nacht brach ein. Die Strasse war nicht so, dass man sie in der Nacht und bei Regen fahren wollen würde. Auf einer Passhöhe erwartete uns gar Schneematch auf der Strasse – im Juli. Schlussendlich kam dann mindestens ein Kaffee, das ausschliesslich von monglisch aussehenden Russen besetzt war. Da fragten wir nach Zimmer und siehe da, die hatten kleine Hüttchen. Allerdings musste wegen uns ein Mitglied eines ebenfalls anwesenden russischen Dokumentarfilmteams weichen – was uns diese aber nicht übel nahmen. Wir konnten uns mit dem Filmteam wie auch mit einem monglisch- / turk-stämmigen Einheimischen recht gut bei schönstem Mondschein über dies und das unterhalten und erfuhren spannende Dinge über das Altai-Gebirge – die Wiege der Menschheit aus Sicht der Turkvölker – wie auch über Flora und Fauna. Summa summarum ein sehr ereignisreicher und schöner Tag. Jedoch auch hier wieder eine über-10-Stunden Etappe. Damit ich das nicht immer schreiben muss, verwende ich in Zukunft die Abkürzung ÜZES.
Am nächsten Tag erschloss sich uns die volle Schönheit der Umgebung:
Und hier unsere Kabine mit Monoblock-Stuhl:
Sowie die Toilette, bzw. der Waschraum
Die Toilette war ein klassisches Plumpsklo, welches Jimbo aka Murdock / Face / BA – die Schreibenden – dann auch gleich mehrfach genau untersuchten, weil sie abends zuvor eine russisch-monglische Pferdewurst gegessen hatten. Montezuma rächte sich und zwar richtig. Man erspart sich ja nichts.
Mit leichtem Ziehen im Bauch fuhren Murdock / Face / BA gen russisch -mongolischen Grenzübertritt. Hannibal war quickfidel. Die Zollformalitäten waren innerhalb von 2 Stunden erledigt (Anmerkung und Sprung in die Gegenwart: Dies im Gegensatz zur Ausreise bei der wir seit nunmehr 5 Stunden auf der mongolischen Seite festhängen – Ende noch nicht in Sicht). Die Strassen in Mongolien beziehungsweise das Fehlen derselben gab uns einen Vorgeschmack auf das, was uns erwarten sollte. In Olgi, der ersten Siedlung auf der monglischen Seite fing uns gleich ein lokaler Schlepper ab und lotste uns zu einer privaten Unterkunft wo auch schon ein paar Russen am Vodka trinken und die von der kasachisch-monglishen Familie eben gekillte Ziege am Essen waren. Sehr herzlich empfingen sie uns und boten uns Vodka und Innereien der Ziege an. Den Vodka nahmen wir gerne, auf die Ziege verzichteten Murdoch / Face / BA nicht nur wegen des aufgrund der Pferdewurst instabilen Magens, sondern auch wegen des wirklich wie in einem Splatter aussehenden Menus. Hannibal gab sich jedoch auch dies, jedoch mit einem eher verbissenen Gesichtsausdruck. Der Opa der Familie schlabberte derweil nebenan genüsslich ein paar Därme. Danach zeigte uns der Opa stolz seinen Rohrenfernseher und pries die Programmwahl an – leider nichts auf Englisch, geschweige denn Schweizerdeutsch.
Danach durften wir im Elternschlafzimmer nächtigen, was uns gelinde gesagt ein bisschen peinlich war. Aufgrund der bekannt homophoben Einstellung im Osten betonten wir stark, dass wir kein Paar sind, aber wie wir seit dem Borat Film zu wissen meine, ist das ja einer kasachischen Familie herzlich egal. Wir wissen ja auch nicht, was sie mit der Ziege gemacht haben. Wie gesagt, ich zitiere hier nur Borat. Bei einem Schaf wäre es ja nur in Neuseeland kritisch gewesen.
Tags darauf ging das Abenteuer richtig los. Wir heizten den GMC Vendura im Taschenformat über die mongolischen Pisten bis er Geräusche machte, wie wir nie zuvor gehört hatten. Nach zwei Stunden galt es die ersten Flüsse zu durchqueren und das Fahren im nahezu unbewohnten Gebiet war sehr eindrucksvoll. Die mongolische Pampa diente Murdock / Face / BA noch mehrfach als riesige Toilette – Montezuma hatte die Rache noch nicht abgelegt. Hannibal schien die Ziege nichts anzuhaben. Nach einem Versorgungsstopp im einzigen bewohnten Dorf der Tagesetappe namens Khovd, machten wir uns wieder auf in die Pampa um den Schweizer Nationalfeiertag mit einem Fondue zu zelebrieren. Dass dies in einem veritablen Feuer(werk) enden würde, mussten wir da noch nicht. Doch dazu im nächsten Bericht.
