01.08.2015: Ulgi – Camp nach Khovd

Morgenstund hat Gold im Mund – allerdings ist nicht alles Gold was glänzt und das mongolische Zmorge bestand primär aus Butter, in Fett gebackenen Brötchen und Marmelade – alles noch Resten vom Vortag. Immerhin blieb uns erspart die Reste dies Schafskopfs, welche trotz Kühlschrank einfach irgendwo in der Ecke aufbewahrt wurden, noch essen zu müssen. Danach verabschiedeten wir zuerst die Russen und danach die Spanier, welche sich zuerst fit für die Wüstenetappen machen wollen.

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Im Dorf herrschte der übliche Betrieb aber schon bald waren wir draussen, vorbei an den üblichen Gräbern oder sonstigen religiösen Denkmälern und dann lagen noch einige wenige Km perfekter Asphalt vor uns. Sagten die Einen. Während ein anderer Traveller im Internet schon 2009 behauptete, dass in der Mongolei alle wichtigen Städte mittels Strassen verbunden seien und man Pisten suchen müsse. Nun bald werden wir es wissen.

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Wir fuhren weiter und bewunderten Flora und Fauna und natürlich

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die enormen Landschaften – eigentlich müsste man, um die Mongolei zu dokumentieren konsequent nur das Panoramaformat verwenden – denn alles andere wird dem Land nicht gerecht.

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Kurz nachdem sich dann das Rätsel wegen der Asphaltstrassen gelöst hat – die verabschiedete sich nämlich relativ bald – erspähten wir einmal mehr einen Adler am Strassenrand. Also flugs angehalten und für einmal flog das Tier nicht weg, konnte nicht, weil es als Touristenattraktion für solche Fototermine genutzt wird. Wir hatten daran dann mit etwas schlechtem Gewissen schon Freude – es ist sehr eindrückliche einen solchen König der Lüfte mal von ganz nahe betrachten zu können und immerhin hat es in der Natur noch sehr viele freie Artgenossen.

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Kurze Zeit später galt es ernst – Notfalleinsatz für das A-Team: Ein Kleinlaster, schwerst beladen u.a. auch mit den Überresten eines früheren Mongol Rally Teilnehmers (zum guten Glück natürlich nur von seiner Reisschüssel) steckte im tiefen Kies fest. Mit vereinten Kraft, allen unseren Gadgets wie z.B. der russischen Campingschaufel und dem 4 Tonnen Abschleppseil – sowie unter extremstbeanspruchung der Kupplung, was diese mit Konzil-ähnlichen Rauchschwaden quittierte, kriegten wir den Laster wieder flott und hofften, dass auch wir – wenn in Not – solche Hilfe bekommen würden.

 

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Vorläufig war dies allerdings nicht nötig, unser Mini-GMC Vandura schlug sich auf diesem schwierigen Terrain prächtig und dank dem Vierradantrieb hatten wir immer genügend Traktionsreserven – so dass wir recht entspannt vorwärts kamen und – immer noch – Flora und Fauna  bewundern konnten.  Dazwischen platzierten wir immer mal wieder den Terios vor malerischen Fotosujets wie z.B. Jurten und genossen die herrliche Szenerie

 

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Neben dem Adler und den Pferden sind die Kamele wohl das dritte Wappentier der Mongolei – genügsam und durchaus auch mal etwas neugierig. Und während sich die Wüstenschiffe eher trocken ernähren, lieben die Pferde das Wasser und stehen dann stundenlang in den Pfützen rum.

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Neben den Adlern sichteten wir auch noch grössere Vögel – aus der Ferne betrachtet sahen sie aus wie kleine Hinkelsteine, doch als wir näher kamen, flogen die Steine davon – Geier, welche soeben ein Geissenkadaver verspeisen wollten.

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Zur Einstimmung sodann noch ein paar Landschaftsimpressionen

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Und gerade rechtzeitig bevor es zu strapaziös wurde und v.a. bevor wir an unseren Navigationskünsten zweifeln mussten, tauchte das Ortsschild von Khovd auf – passt. Die erste Etappe haben wir somit auch ohne GPS und bloss mit ein paar Handyfotos einer Übersichtskarte gemeistert – was eigentlich einfach ist, wenn man sich auf das wesentliche besinnt: Nämlich dass es von Westen nach Osten meist eh nur eine Strasse gibt und somit die Verzweigungen der Piste meist wieder zusammen kommen, es sei denn es zweige eine Zufahrt zu einer ferne Jurte ab. In diesem Fall aber hält man sich am besten an die Sonne – denn die muss am frühen Nachmittag rechts und später dann hinter einem stehen – so kann man eigentlich recht gut navigieren – auch wenn das Fahren zwischendurch durch Sandmulden oder Flussdurchfahrten erschwert wird.

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Vor Khovd dann ein Feld voller Jurten – teilweise wohl auch Ferienhäuschen für die Stadt Bewohner. Die Stadt selbst hatte nicht allzuviel zu bieten – aber entscheidendes: Nämlich einen Bankomat – ortstypisch als separates Bankhäuschen angehängt, sonstige Banken und v.a. einen Markt auf welchem wir sogar den bisher noch fehlenden Camping-Kocher kaufen konnten – ich liebe es wenn ein Plan funktioniert! Denn so stylish natürlich ein Fondue auf dem russischen Holzkohlengrill gewesen wäre, so gross a) die Sauerei und b) das Problem der Brennmaterialien – denn bisher haben wir schlicht noch keinen einzigen Baum gesehen und schon gar keinen Holzkohlenbaum. Aber Fondue musste heute – am Nationalfeiertag einfach sein und da erwies sich die chinesische Camping-Gaz Kopie als äusserst praktisch – aber wir greifen vor.

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Denn nachdem wir uns mit den wichtigsten Utensilien fürs Fondue eingedeckt hatten, die lokale Industrie bewundert hatten, brachen wir auf und machten dann bei Dorfausgang mal zur Sicherheit noch ein Foto der Wegschilder, wobei wir kurz danach auf’s äusserste gefordert wurden, weil unser nächstes Ziel Altai in zwei Richtungen, mit unterschiedlichen Distanzangaben angegeben war. Wir haben dann mal noch einen Motorradfahrer und eine Tankstellenkassierin befragt – denn der falsche Weg hätte uns wohl zur chinesischen Grenze geführt – definitiv nicht unser Ziel und auf diesen Rüttelpisten Umwege zu fahren ist auch nicht erstrebenswert.

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Aber alles passte – die Pferde auf den Transporter und auch die obligate Baustelle konnte abgelichtet werden.

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Danach rollten wir stadtauswärts wiederum einige Km komfortabel auf Asphalt bevor die Piste begann und wir dann ein gutes Plätzchen für’s Nachtlager suchten. Das klappte hervorragend – wir konnten noch einige kitschige Sonnenuntergangsfotos machen und Mad Murdoch reinigte zur Feier des Tages noch unsere Nationalkennzeichen – quasi als Ersatz für das nicht vorhandene Schweizerfähnchen.

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Nach einem Apero stellten wir dann erst das Zelt auf und warfen dann den China-Kocher an und bruzzelten ein herrliches Gerber-Fondue, wobei wir zuerst den Sonnenuntergang und danach

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den Mondaufgang. Dieser schien auch die wilden Pferde zu beflügeln – offenbar lag unser Zeltplatz mitten auf einer Pferdekoppel, denn rundherum wieherte und trabte es – ein sehr schönes Naturerlebnis.

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Und bei einem Mini 1. Augustfeuer aus einem leeren Zigarrenkistli beschlossen wir den Nationalfeiertag würdig. Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert – am 1. August in der mongolischen Steppe Fondue essen – fantastisch.

One thought on “01.08.2015: Ulgi – Camp nach Khovd

  • Da fährt ihr 10’000km nach Khovd um dann kurz vor der Highlight des Jahres wieder abzureisen? Der schwarze Rauch auf der mongol-sixtinischen Kappelle hätte euch angezeigt, dass schon bald ein neuer Pabst gefunden würde. So blieb es halt beim „non habemus papam“. Weiterhin viel Spass.

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