Nach einer erholsamen Nacht in der Mutter Natur starteten wir den Tag dank des Chinagrills perfekt mit Kaffee und Chinasuppen. Danach konnten wir gar nicht anders, als einmal mehr die lokale Flora und Fauna zu bewundern- also in der Wüste (jedenfalls würden wir das Gelände jetzt so bezeichnen – nicht weil es wüst ist, sondern weil es schon so karg ist, dass sich nur noch wenige – meist zweibeinige Lebewesenb licken lassen) – da wachsen auch Blümchen und an den Stachelbüschen hängen grosse Fetzen von Kamelwolle. Dies reizte v.a. Dr CJS der damit ja aus einer leere Raviolidose, deren Deckel und einer Ladung mit Benzin getränkten Kamelwolle einen Fonduebrenner nachbauen wollte – manchmal steckt halt auch etwas B.A. Baracus und Mc Giver im Hannibal – aber Mad Murdoch verbot solche Experimente ausdrücklich – es sei denn, Dr CJS würde zuerst eine Freigabe von seinem Familienchemiker einholen. Liessen wir dann sein und der China-Flammomat passt ja auch besser zu unserem Cheesy Image.
Man beachte – selbst in der Wüste hat es immer wieder und zwar v.a.lokale Touristen – was ja auch verständlich ist, wenn man weiss, dass a) die Mongolei sehr gross ist, b) man bei den Grenzübergängen stundenlang warten muss und c) die Hälfte der ca 3 Mio mongolischen Wohnbevölkerung in Ulan Bator lebt – dann müssen die ja auch irgendwohin in den Ferien und wenn die nicht richtig schnelle Geländewagen haben, dann schaffen die das gar nicht in einer Woche bis über die Grenze.
Zwischen den Wüsten-/Pistenpassagen tauchen so ca alle 100 Km kleinere Dörfer aus, wobei deren Infrastruktur nicht unterschätzt werden sollte. Zwar sind selten Hotels erkennbar und auch sonst kriegen Durchreisende nur das nötigste, aber für die lokale Bevölkerung gibt es durchaus eine Schulinfrastruktur und auch ein properes Polizeiauto darf nicht fehlen.
Die Schulen sind ohnehin ein Thema für sich, denn gemäss Auskünften von Locals funktioniert das Leben in der Jurte für Kinder so, dass im Sommer rumgetobt und das Leben draussen inkl. Satellitenfernsehen und vermutlich wohl auch Playstation etc voll genossen wird. Danach aber ist nicht der Spass vorbei, sondern das Leben in der Jurte, denn die Kinder werden für den Herbst / Winter zu Bekannten in einem dieser Dörfer verfrachtet und verbringen dort die Winterzeit und gehen in die Schule. Die Schulen sind meist sehr gut ausgestattet, ein Spielplatz darf nie fehlen und bei besonders luxuriösen Schulen gibt’s sogar eine Schuljurte, vermutlich damit die Kinder nicht allzufest Heimweh haben.
Sinnbildlich für die Mongolei sind die Hirten, eigentlich die letzten verbliebenen echten Nomaden. Zusammen mit einigen Hirtenhunden bewachen sie ihre meist riesigen Herden und schauen, dass deren Abgrasrichtung stimmt. Das sieht recht eintönig aus und ist es vermutlich auch, ein Ruhepuls von über 45 gilt vermutlich schon als Risikofaktor bezgl Herzinfarkt. Zwischen den verschiedenen Hirten gibt es aber subtile, doch nicht zu unterschätzende Unterschiede – dies fängt an bei der Wahl des Pferdes – da kann man ja auch ein Stahlross nehmen. Hat den Vorteil, dass es schneller und vermutlich cooler ist – aber dafür muss man halt schauen, wo man Sprit kriegt. Denn den sucht sich das echte Ross ja selbst und dann kann der Hirte doch statt Sprit zu suchen gepflegt ein Nickerchen machen – war im aber glaub’s peinlich als wir ihn dabei fötelten und so ist er dann sofort aufgesprungen wie Lucky Luke auf Jolly Jumper und hat nach dem Rechten gesehen, was auch notwendig war, da seine Schafe kreuz und quer auf der Strasse resp Piste lagen. Und auch hier ist ein wichtiger Unterschied festzustellen – Ziegenhirten können sich auf ihre Viecher verlassen – die haben eine angeborene Scheu, so dass sie weder die Strasse als Pausenplatz missbrauchen, noch sich vereinzeln lassen – eine einzelne Ziege zu fotografieren ist echt schwierig – denn die gibt’s nur im Rudel. Die Schafe hingegen nehmen das alles stoischer hin und scheinen sich von nichts und niemanden zu etwas drängen zu lassen.
Nach diesen Exkursen wird’s mal wieder Zeit für die Breitbilder – denn die Mongolei ist halt wirklich primär breit – könnt ihr einfach verifizieren, wenn ihr mal bei Google Maps nachschaut.
Und trotz dieser Breite und den üblen Pisten lief unser GMC Vandura wie ein Uhrwerk und meisterte jegliches Terrain mit Bravour.
Neben den bereits beschriebenen Sehenswürdigkeiten, d.h. der Landschaft, den Nomaden, den Dörfern, der Flora und Fauna etc. hat die Mongolei noch viele weitere Sehenswürdigkeiten zu bieten, wobei eine der charakteristischsten die Jurten sind. Auch davon gibt es Dutzende von verschiedenen Sorten – aber am Schluss sind alle weiss und es braucht einige Expertise um die Nuancen zu sehen wie z.B. bei der bereits beschriebenen Schuljurte. Also nachfolgend haben wir mal zwei Bilder – zuerst das einer klassischen mongolischen Wohnjurte “jurta dominica comunes” – zu erkennen an der Satellitenantenne, dem motorisierten Fuhrpark und dass sie bewohnt ist. Solche jurta dominca communes findet man oft auch in klassischen Streusiedlungen oder zu zweit und dritt – wobei es dort natürlich auch die Generationsiedlungen mit der Hauptfamilienjurte und der Stöcklijurte gibt. Aussehen tun die aber alle gleich. Auch sehr beliebt sind die Ferienjurten, denn weil die Mongolen Nomaden sind, müssen auch die Stadtnomaden aus UB ab und zu mal raus in die Natur. Und wer nicht genügend Platz hat um im Garten eine Jurte aufzustellen (jurta jardinica) der geht halt weiter raus. Vor allem an den Touristenrouten häufig sind Jurten als Touristenfallen, wobei es zwei Arten gibt: Die weniger gefährliche, ist die einzige Jurte, welche nicht weiss ist (jurta touristus trappus comunes). Viel schwerer zu erkennen sind die an der Strasse beiläufig aufgestellten (jurta touristus trappus malificiosus) – denn die sind genauso weiss wie alle andern Jurten auch. ABER: und das ist der grosse Unterschied – bei einer echten Jurte ist der Eingang minutiös nach Süden ausagerichtet – dies wird meist von einer erfahrenen älteren Nomadin überwacht und dazu werden von ihr sowohl die Sonne, als auch die Sterne konsultiert. Und weshalb ist das wichtig? Nun für die Nomaden ist dies wichitg, weil die Südausrichtung in Verbindung mit dem zentralen Kamin in der Jurte als Sonnenuhr dient. Und für die Reisenden – und deshalb sind diese jurta touristus trappus so gefährlich – dienen die Südeingänge der Jurten als Orientierungshilfe – als bei unserer generellen Ostrichtung müssen wir immer bei den Jurten links von uns in den Haushalt linsen können, dann stimmt’s! Im weiteren gibt es natürlich noch unzählige weiter Jurten, wie z.B. auch die Restaujurten wo man Essen und trinken kann – was wir uns allerdings nicht getrauten, die Souvenirshopjurten – selbst Industriejurten scheint es zu geben, wobei wir uns da aber nicht ganz sicher sind.
Neben den Jurten gibt es auf dem Land auch immer wieder beeindruckende Steinskulpturen von unbekannten Künstlern, hier z.B. ein Ensemble mit dem Titel “ der Frosch fürchtet den Drachen Grisu”.
Und so rumpelten wir weiter über die Pisten bis wir jäh von einem Unfall gestoppt wurden: Nach einem Fotostop (nicht Photoshop – wir sind bekennende Bildnaturalisten, quasi das Credo der Dogma-Filmer auf Bild und Wort übertragen und all unsere Beiträge sind weder redigiert, noch gestellt noch sonstwie künstlich bearbeitet und auch die Bilder sind einfach drauflosgeknipst – peng und es muss passen oder wird aussortiert – aber wir schweifen ab) – jedenfalls dufte es im Auto plötzlich nach Hopfen und Malz und wir mussten feststellen dass Gott s’ zwar erhalts – aber leider bezog sich das nicht auf die Petflasche – welche offenbar durch die Schüttelei auf der Piste punktiert wurde und aus diesem Loch schoss das Bier nun in bester US-Spring Break Can-Shot-Gun Methode raus. Wir hatten’s damit dann recht lustig, dem Terios schon vor Zieleinlauf eine Motivationsbierdusche verpasst und kurz des Maul gespühlt – denn beim Fahren trinken ist ein absolutes No Go. Unser erster Bierunfall also – immer noch besser als zuviele Bierideen.
Die eindrucksvollen Raubvögel haben wir ja schon beschrieben und auch bildlich gezeigt. Allerdings haben die Viecher eine fiese Ader – denn meist sitzen sie solange regungs- und teilnahmelos am Strassenrand, bis man anhält und selbst dann fliegen sie meist solange nicht davon, bis man die Kamera rausnimmt rangezoomt hat und versucht ein Foto zu machen. Aber es gibt einen Trick – dazu muss man den Adler früh genug sichten und dann ganz beiläufig und unauffällig die Fahrt verlangsamen gleichzeitig wird die Kamera klar gemacht und nachdem man sich so am Adler vorbeigeschlichen hat, kann man anhalten und Fotos machen, weil sich der Adler vermutlich immer noch wundert, weshalb man nicht gleich angehalten hat.
Je näher wir nach Osten kamen, desto häufiger sahen wir einen neuen Landbewohner – nämlich die Raupe Nimmersatt – d.h. übervoll bepackte Lastwagen, welche die Schafwolle der frisch geschorenen Herden abholen gingen.
Und so liefen wir irgendwann mal in Bayanghokor ein und suchten ein Einkaufszentrum. Weil der Terios zwar absolut perfekt läuft, aber irgendwas auf der rechten Seite scheppert, haben wir ihn dann mal noch kurz aufgebockt und die Radaufhängung überprüft – ist aber alles wie es sollte.
Danach denn Shopping im Super Market in Bayanghonkor. Und tatsächlich gibt es im Supermarket im Unterschied zu den Mini Markets, wo man alles bekommt was man zum Überleben benötigt (also primär Bier, Vodka und Motorenöl) alles was man nicht zum Leben benötigt – also Klamotten, Handys aus aller Welt resp präziser aus China aussehend wie aus aller Welt, Pferdesättelattrappen für Babys – kein Wunder, dass da die Jugend rebelliert und sich die Zeit mit Ego-Shootern vertreibt!
Und als schlüssiger Beweis, dass wir hier in einer Zivilisationsoase angekommen waren: Es gab Taxis – zu sehen am Schwan (nicht so wiis wie Schnee) sondern auf dem Dach – wohl ein Auswuchs aus einem alten Schamanenglauben oder dann in der Jugend zu oft Bernhard und Bianca geschaut.
Bayanghokor war leider als Etappenziel nicht ausreichend und so verliessen wir die Stadt – nachdem wir unsere Vorräte noch in einem Minimarket aufgefüllt hatten – auch gleich wieder. Das war zuerst einfach – Teerstrasse. Dann sehr schwierig, weil die von uns benötigte Fernstrasse (auch Teer – juppiee) komplett umwallt war und zwar mit fürchertlich hohen Erdwällen – wir haben dann die Steigfähigkeiten des Terios getestet und sind drübergebügelt – zum Glück denn dahinter lag eine recht gute Strasse, welche nicht mehr enden wollte. Und nachdem wir auch regen Gegenverkehr hatten, war dies wohl schon korrekt so – weshalb aber die Strasse mittels Erdwällen vor der Erfüllung ihres ureigenstem Zwekcs, nämlich der Befahrung – geschützt werden müsste, hat sich uns nicht erschlossen.
Leider schafften wir es aber trotz aller Fahrerei nicht mehr bis Ulan Bator und mussten daher gegenüber dem Zeitplan einen etwas zu frühen Stopp in Arvaikheer einlegen – einem Kaff, welches sonst wohl kaum je ein Tourist besichtigen wird. Aber nach 5 Tagen ohne Dusche war das Bedürfnis nach etwas Körperreinigung einfach zu gross, als dass wir nochmals Campen wollten und so kam es halt zu einem gutschweizerischen Kompromiss Übernachtung im Hotel aber Nachteseen wie draussen, d.h. Fondue kochen – ein prima Plan – auch völkerverbindend, denn dem Klischee zufolge sollen ja sonst immer die Chinesen in den Schweizer Hotelzimmern ihre Chinapfannen (nicht die von Maggi) brutzeln und nun brutzeln wir auf dem Chinakocher in der Mongolei das Schweizer Nationalgericht. Soweit wäre eigentlich alles gut gewesen, bloss hat leider die Dusche zuerst nicht funktioniert, weil sich die am Lavabo angeschlossene Dusche mangels Knopf nicht aktivieren liess. The Face war dann bei der unbesetzten Reception (das ganze Hotel hatte sehr starke Ähnlichkeiten mit dem Bau im Film the Shining) und hat sich die dort liegende Zange geschnappt womit wir dann die Dusche erzwungen haben – alles gut – ausser Zähneputzen mit der Duschbrause – aber das sind dann echt Luxusprobleme – ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert – und so sind wir dann sogar noch in den Ausgang und haben die einzige, geöffnete Bar gefunden, dort ein Bier getrunken und auf dem Heimweg dem Geheul der streunenden Hunde gelauscht – gespenstisch.
