04.08.2015: Arvaikheer – Ulan Bator

Unser Hotel erschien nicht nur so gespenstisch und verlassen wie das Hotel aus the Shining, es war es auch und so wagten wir gar nicht erst den ernsthaften Versuch, ein Frühstück zu kriegen und machten uns mit immer noch fonduegefüllten Bäuchen auf den Weg zum ersten Ulan – oder wie the Face es so trefflich formulierte – first we take Bator then we take Ude. Auf dem Vorbeiweg grüssten wir noch ein Schwestermodell unseres GMC Vandura im Zwergformat – leider nicht ganz so cool gepimpt.

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Und fuhren durch die auch bei Tageslicht betrachtet ziemlich schräge Stadt – hinter der Disco lag unser Hotel – die Werbung der letzten Fussball WM wurde immer noch als aktuell betrachtet und bei den alten Satellitenschirmen wusste man nie, ob das jetzt ein Monument aus alten Zeiten war, oder gute alte bewährte Technik, die einem nie im Stich lässt.

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Auch Prunkbauten gab es durchaus – dazu im starken Kontrast aber offensichtlich auch weite Bevölkerungsteile, die nicht gerade im Überfluss leben.

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Aber die absolute Schrägheit, also die Diagonale der Diagonalen war die Statue des – wir mutmassen – lokalen Fussballclubpräsidenten, quasi dem Herr Canepa von Arvaikheer, welcher sich also verewigungstechnisch dem Turkmenbashi – dem Vater aller Turkmenen – den wir schon hinlänglich an anderer Stelle (nämlich im Pamirchallenge Blog) beschrieben haben – annähern zu wollen scheint.  Und gleich daneben ein lokaler Hirte, welcher seine Herde zusammen hält  – letztlich wohl der Aufgabe eines Fussballtrainers nicht unähnlich und damit macht auch so ein Stadion durchaus Sinn – mal abgesehen davon, dass sie dann neben all den Trainern auch noch Fussballer brauchen würden und davon haben wir echt keine gesehen – aber vielleicht sind die auch wegen der Hitze in einer Fussballjurte am trainieren.

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Ausgangs der Stadt die üblichen Verabschiedungsformen – pompös und ehrfurchtserweckend – ein bisschen mit dem Mahnfinger gewackelt – du verlässt jetzt die properste Stadt in der Mittelmongolei – vor dir liegt die Wüste, Gefahren und Beschwerden – sei froh, wenn du das nächste  Tor erblicken darfst.

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Dazwischen lag dann tatsächlich viel Land – und zur Abwechslung auch mal wieder eine Baustelle – ausgerüstet mit primär dem nötigsten, also einem Teerkocher und einem Schlafwagen.

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Geschlafen wurde auch anderswo – wobei anzumerken ist, dass in diesem Wagen eine ganze mongolische Kleinfamilie – also ca 4 Erwachsene und etwa 7-10 Kinder Platz genommen hatten und dass so eine Reise müde machen kann, versteht sicher jeder. Denn auch wir müssen uns den Weg verdienen, die Kilometer fahren und die endlosen mongolischen Weiten ertragen.

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Neben gut gefüllten Minivans gibts auf der Strasse aber auch gut beladene Lastwagen – durchaus verständlich – denn bei den Strassen fährt niemand freiwillig eine Strecke zwei Mal und bei einem so gut gepolsterten Schafsfelllastwagen kann ja auch nicht viel passieren – der würde sehr weich umkippen – und gleichermassen ist verständlich, dass ein Lastwagenfahrer keine Leerfahrt macht, sondern sich mit einem beherzten Manöver am Strassenrand einem Huckepackträger anschnallt.

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Nachdem wir dann – mangels Frühstück bei einem mongolischen Roadstopp ein sehr feines Mittagessen bekamen, liefen wir noch bei Tageslicht, recht entspannt – aber leider ein Tag hinter dem Zeitplan in Ulan Bator – meist schlicht UB genannt ein.  Ortstypisch gab es eine Unmenge an Irish Pubs – kein Ort auf dieser Welt, an welchem die Iren nicht schon Ihre Spuren in Form von altem, abgestandenem – an verbrauchtes Motorenöl erinnerndem Gerstensaft hinterlassen haben. Daneben markierten auch die Japaner Präsenz – oder ist dies die neue Heimat der Pubertätsrocker aus unserem nördlichen Nachbarland? Klarer sind da Ross und Reiter – die gehören nämlich hierher.

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Schwieriger war dann die Hotelsuche, da Ulan Bator durchaus eine Grosstadt ist, wir aber für einmal weder GPS noch sonstige technische Unterstützung hatten. Wir nahmen dann einfach das höchste Hotel, dessen Schild man am besten sehen konnte und landeten im noblen Grand Hill Hotel, was ganz angenehm war. Weil es ja noch hell war, haben wir uns dann sofort auf eine Shopping- und Sightseeing Tour gestürzt und festgestellt, dass in UB im Gegensatz zu den bisher erfahreren mongolischen Siedlungen durchaus was läuft und man sowohl shoppen als auch käfelen kann. Bei der Suche nach einem Restaurant begann es dann leider zu regnen, was allerdings ein Glücksfall war, weil wir gerade vis-a-vis des Revolution Pub standen und sich dieses demzufolge für ein Feuchtigkeitsausweichbier anbot. Und weil das Lokal ganz adrett war, haben wir da dann auch gleich gegessen – die einen konservativer – die andern wagemutiger (mongolischer Lammleberspiess) – sehr gut. Bei der Abendzigarre sind wir dann auch noch mit den Locals ins Gespräch gekommen, was den Abend drastisch verlängert hat. Wobei die Bezeichnung Locals mehrheitlich falsch war – denn eigentlich waren es bis auf die Frauen alles Expats, auf Sommerbesuch in UB, weil man es im Winter nicht aushält – und so müssen dann halt die Geschäfte im Sommer abgewickelt werden. Länger gesprächelt haben wir auch mit einer Botschaftsangestellten, welche uns dann noch viele Details zum Leben in der Mongolei verriet – auch Überlebenstricks waren dabei – so z.B. dass man bei Einladungen den Moment nicht verpassen darf, wann die vergorene Stutenmilch gereicht wird – denn die sei etwas streng und da wäre es als Nicht-O-Beiner wohl besser, wenn man die Zeremonie auf dem WC aussitzt (also d.h. die Einnahme der vergorenen Stutenmilch natürlich – weil sonst – aber das lassen wir jetzt).

Frühmorgens haben wir dann unsere Hotelbetten genossen und uns mental auf den letzten Grenzübertritt vorbereitet – denn wie immer ist es für solche Unterfangen wichtig, einen Plan zu haben.

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