Usanzgemäss mussten früh morgens einige Fotos zum warmlaufen der Kamera gemacht werden und das sah dann so aus. Warschau ist dermassen Boomtown, dass sogar die Kraftwerke herausgeputzt wurden und cool aussehen!
Doch das ist noch gar nichts gegen die hohe Kunst der Schallschutzwände – die Polen schaffen es also sogar solche Schallschutzwände ineinander zu schachteln – als passionierter Lautsprecherbauer muss ich da annehmen, dass dann die eine Röhre als Hochton und die andere als Tief-Mittelton funktonieren soll. Oder wir haben’s einfach nicht begriffen – so oder so ist eine gewisse Aesthetik ja auch noch vorhanden.
Auf der Ausfahrt nach Warschau waren dann auch wieder diverse Reparaturwerkstätten aufliniert und als wir einen Heli sichteten gab es für Mad Murdoch kein halten mehr – aber es war zugegebenermassen auch ein sehr eindrücklicher Heli – den hätte auch ich gerne mal geflogen!
Als der Mechaniker entdeckte, dass das A-Team mit seinem Chopper eine Mission fliegen wollte, flippte er fast aus und war gerne bereit, seinen Kollegen zu motivieren, unser altes Radio aus und das neue einzubauen. Lustig ist übrigens auch die Vorstellung, was denn der echte Mad Murdoch für ein Gesicht macht, wenn er plötzlich von einem polnischen Automech über Facebook eine Freundschaftsanfrage kriegt – immerhin hat man sich ja in Polen gesehen… (wir geben zu, das mit der nonverbalen Kommunikation lässt schon einen grösseren Unschärfebereich zu, als wenn alle sich akkurat artikulieren können…)
Ein Radio ausbauen geht in Polen übrigens auch ohne Elektriker und dessen Werkzeugkoffer – da muss man nur einfach die gesamte Mittelkonsole ausbauen und schon kommt man an alles ran – sehr gut – denn nun kann ich endlich auch den coolen USB Stick mit Remove before Flight Bändel und korrekten Gitarrensound einstöpseln und so für etwas musikalische Abwechslung sorgen.
Mad Murdoch beim Autogrammen
und jetzt geht’s endlich ab – remove before Flight!
wobei wir natürlich nur gesittet cruisen und keinesfalls fliegen wollen, irgendwo ist ja auch noch der flugängstliche B.A.
Und so cruisten wir schon bald wieder durch nördliche Wälder, wobei wir oft den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sahen und Mad Murdoch auch die Bäume
– jetzt schon – nicht mehr sehen konnte, er ist halt nicht der Geduldigste, aber Hauptsache er kann Chopper fliegen.
Nun und wenn man die Bäume schon nicht mehr sehen kann, dann gibt es noch andere Sachen, die wiederkehrend sind. Also klar ist ja, dass es auf dieser Welt nie genug Juristen geben kann, weil je mehr davon, desto mehr Recht und seien es auch nur mehr rechte Meinungen – das ist so quasi ein sich selbst vermehrendes System. Aber grad nach dem Bedarf an Juristen kommt der Bedarf an Strassenbauern – bitte liebe Schweizer Kollegen beklagt euch nicht über Autobahn-Baustellen, denn überall in der Welt sonst werden die Autobahnen jetzt einfach mal gebaut und das bedeutet Baustellen ohne Ende. Und das ist gut so, denn was alte, ausgelutschte, Flussartig ausgefahrene Strassenbeete mit normalen Autos machen ist nicht schön und sichert einzig den Bedarf an Automechen, was jetzt zwar auch kein schlechter Beruf ist, aber irgendwie halt doch nervig wenn plötzlich alles scheppert und einem dann der Auspuff abfliegt (natürlich nur, weil er unsachgemäss mit Spachtel zugekleistert wurde, anstatt fachmännisch metallurgisch korrekt geschweisst oder einfach ersetzt – aber dazu später mehr) also auf jeden Fall sind Baustellen notwendig und da gibt es durchaus lokale Unterschiede. In den baltischen Staaten und in Russland z.B. ist es sehr notwendig, dass vor Einbahnstrecken nicht bloss ein Lichtsignal steht, sondern dass auch ein Arbeiter mit Funkgerät rüberfunkt, dass wieder mal noch ein paar Dutzend Autos bei Rot noch hinterhergeschlüpft sind, wodurch sich natürlich die Abfahrt des Gegenverkehrs verzögern sollte – sonst gibt’s Chaos. Und anders als bei uns ist das ganze auch kleinräumiger, denn wenn keine Autobahn mehr da ist, kann man auch nicht mal effizient 10Km Gegenverkehr machen, sondern man macht überall mal wieder ein paar hundert Meter Aushub, Baustelle, Feldwegumfahrung etc. Funktioniert aber auch. Irgendwie.
Nachdem wir also Wald und Baustellen hinter uns gelassen hatten, war auch mal Zeit für eine Kaffeepause – Mittagessen ist jetzt nicht mehr – diese Reise ist ja Erfahrung und nicht Vergnügen. Aber Kaffee muss sein, und wo geht das besser als bei den echten Asphalt-Cowboys, den Truckern, die ohne Wertschätzung oder speziellen Glamour all diese Strassen beruflich unter die Räder nehmen. Da muss zwischendurch auch etwas Abwechlsung sein, z.b. eben bei einem Kaffee im Sattel statt in der Führerkabine…
Aber schon bald hiess es wieder angasen – los – dabei auch noch kurz einen Klon des bekannten Dr. Daktari = DrD mitgenommen
und schon bald standen wir an der nächsten Grenze – Schengen sei dank ohne jegliche Formalitäten, aber auch ohne jeden Reiz – kulturell einfach über die Baltiker drübergebügelt – einmal mehr eine Baustelle – wir kennen das ja.
Ansonsten ist die Gegend ganz nett, v.a. wenn man nicht mit dem Fahrrad unterwegs ist (kleiner Insider-Joke für das Buben-Reisegrüppchen, welches mal eine Radtour rund um Riga unter die Räder nahm).
und auch hier trifft man immer wieder eindrückliche, aber stumme Landesgenossen. ![]()
Wir waren froh, endlich Daugvapils erreicht zu haben, geplant war Rezekne oder so, aber das war bei den Strassen und dem Wald einfach weder mechanisch noch mental machbar. Und so genossen wir einen weiteren netten Abend mit den Pandabären – zumindest gedanklich, denn die hatten sicher irgendwo eine gute Party und wir und exzellente Solyanka Suppe bei ebendiesem Schuppen.
Zu Daugvapils gibt es ansonsten nicht viel zu sagen, ausser dass Daugvapils übersetzt Teigaffenpils bedeutet und das kommt daher, dass diese Ecke eine weitere Kornkammer Europas war, wo sie aber auch ein besonderns leckeres Pils gebraut haben. Und weil die Landarbeiter nach dem Genuss dieses Pils regelmässig recht teigig wurden und sich aufführten wie die Affen, kam die Stadt zum Namen Daugvapils. Wir haben das Pils dann auch genossen – am A-Team Image gearbeitet und die ganze Aussenterasse weggeraucht, bis Schluss war. War auch ein anstrengender Tag und so sehr es mir schwerfällt, das zuzugeben, ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert und – Rezekne hin oder her – eigentlich wollte ich ja schon immer so ein legendäres Daugvapils probieren. Morgen werden wir büssen – die eine Stunde weg vom Plan wird sich rächen – aber für heute lassen wir das gut sein. Prost.

Das sieht ja unheimlich romantisch aus….und euer Wagen fast wie neu…so far so good
spannend ist die Lektüre eures Abenteuers alleweil
keep going
DJ B.