21.07.2015: Prag–Warschau

Wir haben in den letzten Tagen bereits einige 1000 Kilometer abgespuhlt und dabei gleichzeitig auch noch unsere Ausrüstung mit so sinnvollen Gegenständen wie einem Abschleppseil oder einem Wagenheber ergänzt – denn ein Ersatzrad macht ja nur Sinn, wenn man auch den kaputten Reifen ab Boden fehlt und ohne B.A. Barracus braucht man dann halt mechanische Hilfe. Ebenso haben wir den Blog aufgesetzt und 100 Dinge eingestellt, weshalb die Berichterstattung etwas im Rückstand ist. Um euch jetzt nicht mit uralten Positionsmeldungen zu ärgern, haben wir beschlossen direkt in die Aktualität zu springen und dann von dort aus  gleichzeitig in die Zukunft, in die Vergangenheit und auf die Metaebene zuzugreifen – in diesem Sinne enjoy und haltet eure Zeitzone im Griff!

Morgenstund hat Gold im Mund und so golden, wie die Sonne in unser Turmzimmer schien, musste es ein grossartiger Tag werden. Vorerst aber genossen wir ein korrektes slawisches Bauernfrühstücksbuffet, d.h. neben Eiern, Speck und Würstchen gab es natürlich auch Tomaten, Gurken und sonstiges Gemüse – herzlich mit Feta gesalzen und aromatisiert – herrlich. Frisch gestärkt spazierten wir dann zu unserem bewachten Gratisparkplatz bei der Party zurück, wo die zügigen Teams natürlich schon längst weg waren.

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Andere Teams waren noch dran sich von den Strapazen der Nacht zu erholen, oder sich seriös auf die Abfahrt vorzubereiteten

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Beim Sichten des Furhparks durften wir feststellen, dass wir nicht die einzigen mit einem etwas konservativeren Auto – die Briten nennen dies respektlos cheesy – sind. Im Gegensatz zu diesem Prachtsexemplar tschechischer Ingenieurskunst haben wir aber immerhin noch etwas rohen SUV-Appeal – unser Terios ist ein echtes Arbeitstier, halt ein GMC Vandura im Kleinformat.

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Der Ort war auch bei Tageslicht betrachtet durchaus nett, von einem postindustriell herben Charme – also sehr ähnlich wie gutes tschechisches Pils.

Prag_War005 wie man sieht ein klassischer “Lost Place” wie es mein Züri-hipper Reisekompagnon Mad Murdoch treffend formulierte.

Prag_War006  und obwohl sich die Tschechen alle Mühe geben, dies zu verbergen – der Bahnhof ist tatsächlich nicht mehr im Betrieb, sondern Partylokal, Naturrefugium für Schlangen und sonstiges Getier, Gallerie etc – Hauptsache kreativ – und das ist ja auch genau das, was wir am Osten so lieben.

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Die Party haben wohl nicht alle gleich gut überstanden – oder sagen wir es so – das mit Zeltaufstellen ist nicht jedermann gegeben, wobei es durchaus auch ein Challenge war, in diesem Boden die Heringe reinzuhauen.

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Wir haben dann unser Geschoss beladen und das Feld von hinten her aufgerollt

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Das war schnell erledigt, denn unser Terios muss die Weiterentwicklung des Mehari sein – für nicht autophile, das ist der Citroen Klassiker, der heute noch in der Provence gerne gefahren wird – Karosserie ist eigentlich schon übertrieben, denn im Prinzip ist es eine Badewanne auf Rädern mit einem Partyzelt als Dach. Aber dieser Mehari ist durchaus geländegängig (wie unser Terios), benannt nach einem Rennkamel – mel – (>10 Liter auf 100Km, da muss unser 1.3 Liter Motörchen schon artig schlucken).

Aber wenn wir vorwärts kommen wollen, dann müssen wir motoren – anders geht das einfach nicht. Und weil das mit der Zeit auch etwas monoton werden kann, schauen wir dann halt zum Fenster raus und lassen unsere Gedanken schweifen. Viele Kollegen fragen sich, was denn der Reiz einer solche Reise sei – und da lassen wir doch am einfachsten ein paar Bilder sprechen:

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Gesehen? Überzeugt? Wir auch nicht – deshalb zieht es und ja auch immer wieder heraus in die weite Welt und weil nur die eigene Erfahrung echte Erfahrung ist, nehmen wir halt ein Auto und rollen los. Dass dann nicht jede Sekunde Action ist, ist ja auch Teil des Erlebnisses – ähnlich wie wohl die Jakobswegspilger auch nicht alle 10 Meter eine göttliche Eingebung haben oder ein Wunder sehen. Ungläubige haben uns schon vorgeworfen, dass wenn wir schon auf dem Selbstfindungsweg seien, wir doch nicht unbedingt einen gorillamässigen CO2 Footprint hinterlassen müssten, nur – schon aus dem Wort Erfahrung ergibt sich, dass man das mit Wandern nie erreichen kann und wegen der paar Liter Treibstoff muss man jetzt auch nicht die Würde friedlicher Affen beflecken – denn es gibt durchaus auch die Theorie, dass man gutes tut, wenn man die bösen fossilen Brennstoffvorräte möglichst schnell aufbraucht, dass danach die ganze Menschheit schlicht gezwungen ist, sich erneuerbarer fortzubewegen…

Aber egal wir rösteten Stunden gegen Norden, bis Warschau, die neue Boomtown auftauchte. Warschau hatte ja schon immer eine grossen Bedeutung für die Menschheit, denn Warschau heisst Warschau, weil man da wahr schaut, während in den meisten übrigen Orten bloss fern geschaut wird. Dies ist übrigens auch der Grund, weshalb es so viele polnische Päpste gibt, denn für die ist die Fähigkeit wahr zu schauen ja durchaus ein erwünschtes Asset.

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Neben dem neuen Warschau gibt es aber auch eine entzückende Altstadt mit netten Plätzen

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Schlössern und Kirchen mit sehr ästhetischen Zwillingstürmchen

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Es war ein herrlicher Abend, die zwei Turteltäubchen gurrten in die Abendatmosphäre bis der Nachbar knurrte und wir schlenderten entspannt, tiefentouristisch durch die Gassen

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und bewunderten Land und Leute. Denn genau darum geht es ja bei solchen Reisen – offen sein für neue Eindrücke (so z.B wie in Polen Häuser angemalt werden),

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für andere Menschen,

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für fremde Musik – für das Tondokument sind wir leider zu wenig multimedial versiert –

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und dann lernt man in der Ferne natürlich auch ganz andere Sitten: Denn während in ganz Westeuropa die Eltern ihre Sprösslinge im Restaurant sofort nach der Essensbestellung nach draussen auf den Spielplatz  schicken, um drinnen ungestört fachsimpeln zu können, haben die polnischen Kinder den Spiess umgedreht und sie schicken stattdessen ihre Eltern ins Restaurant auf den Schaukeltisch, um ungestört draussen physikalische Experimente durchführen zu können! Kein Wunder haben wir bei den Pisaprüfungen in den naturwissenschaftlichen Fächern Defizite!

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Mangels bewegter Bilder sieht man nicht, dass die Gäste an diesem Tisch schaukeln können.

Und nach diesem Appell für erzieherische Freiheiten sei elegant auch auf das Motto dieser Rally – nicht ganz unwichtig – verwiesen: Save the world! Und damit dies gelingt freuen wir uns natürlich über möglichst viele A-Team Members die unsere strapaziöse Reise in den alleräussersten Osten emotional mit einer Spende an Justgiving / Cool Earth unterstützen. In diesem Sinne – I love it when a plan comes together – dazu morgen mehr.

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