Nachdem wir das Churchill Pub = OK-Sitz ja schon am Vorabend gefunden hatten, gingen wir am Morgen schnurstracks dahin,
doch war das Pub leider noch geschlossen. Immerhin aber konnten wir mit dem Cheforganisator Rob telefonieren und ihm unser Anliegen erklären.
In der Hoffnung später keine Zeit mehr zu haben, machten wir uns danach sogleich auf einen Sightseeing Spaziergang durch Ulan Ude – eine Stadt mit vielen Facetten von repräsentativen öffentlichen Plätzen, den üblichen Prunkbauten bis hin zu alten, kunstvoll verzierten Holzhäusern sieht man alles.
Überrragend ist und bleibt jedoch der weltgrösste Leninkopf – dagegen gehen auch die wackeren Rösser und Reiter schlicht unter.
Unser Spaziergang führte uns auch durch die touristisch weniger beachteten Ecken der Stadt, wobei insbesondere die dezentralen Kehrichtsverbrennungseinrichtungen ins Auge stachen – das Abfallproblem wird so ohne Transportaufwand etc gleich am Entstehungsort abgefackelt.
Daneben gibt es schöne Wolgaufer – auch wenn der Fluss vermutlich nicht die Wolga ist – aber nach all den Flüssen muss die Wolga jetzt einfach stellvertretend hinhalten.
Auch ein lokaler Markt mit durchaus sehenswertem Angebot war vorhanden und mittendrin hat Ulan Ude auch noch eine Fussgängerzone, die derjenigen in Kazan schon fast Konkurrenz macht – insbesondere für Kinder, denn die können auch mit einem Elektro-SUV rumhuntern.
Auch Architektur und Denkmäler waren zu bewundern – für einmal turtelten die Täubchen nicht, sondern badeten und dann rollte auch noch ein russischer Panzer zur Treppe vor – Action pur – dazwischen viele Touris und ein paar aufgeweckte Jungs – deren Betreuerin hat uns in sehr gutem Englisch angesprochen und ein bisschen ausgefragt und die Buben hatten danach einen Heidenspass hello & goodbye zu rufen…
Doch genug Sighseeing – denn heute würde sich das Schicksal unserer Reise entscheiden – also zurück ins Pub und Rob gemeetet. Der hatte dann leider ernüchternde Auskünfte – denn obwohl wir ja einen Transport von Magadan nach Wladiwostok und von dort weiter nach Ulan Ude organisiert hatten, war es leider unmöglich, dass danach das Transportangebot der Adventurists genutzt werden konnte – denn die hierfür notwendigen Transport- und Zolldokumente konnten nicht schon im voraus unterzeichnet werden, sondern erst wenn der Eigentümer selbst den Wagen zum Transport bringen würde. Dies war leider eine ziemliche Bad News und weil wir gleichzeitig ja noch einen Tag hinter Zeitplan sind, beschlossen wir, dennoch aufzubrechen und im Auto zu denken.
Leider war das bei den äusserst schwierigen Strassenverhältnissen auch nicht einfach und unser Plan noch bis Chita weiterzufahren würde bedeuten, dass wir dort einmal mehr erst nach Mitternacht eintreffen würden – auch nicht ganz zu motivationsfördernd.
Wir diskutierten dann hin und her und versuchten die Risiken beim Plan B abzuschätzen – dieser sah vor, dass unser Wladiwostoker Camioneur den Wagen direkt nach Moskau verfrachten würde und wir ihn dann dort abholen müssten. Grundsätzlich zwar machbar – aber letztlich einfach zu ungewiss und bei illegal quasi-importierten Fahrzeugen versteht der russische Staat echt keinen Spass.
Und so blieb uns dann letztlich nichts anderes übrig als einen Vernunftsentscheid zu fällen und umzukehren – die Strecke hätten wir meistern können – aber der Kampf mit der Bürokratie war für uns schlicht zuwenig berechenbar und so schossen wir ein GPS Beweisfoto, dokumentierten den Kilometerstand gemäss welchem wir ziemlich exakt 12’000 Km ostwärts gefahren sind, bevor wir abdrehten und zum ersten Mal seit langem der Sonne entgegen, schweigsam in den wunderschönen Abend fuhren. Wir hassen es, wenn ein Plan nicht funktioniert.
Und so konnten auch weder die sehr spezielle Sonnenuntergangsstimmung – wegen dem vielen Staub in der Luft sah das manchmal aus wie Bodennebel mit schräg einfallenden Sonnenstrahlen – noch die immerhin bekannte Rüttelpiste, die idyllischen russischen Seen und Flusstäler, einfach gar nichts konnte diesen angestauten Frust bekämpfen. Und weil wir immerhin schon wieder 3h ostwärts gefahren waren, mussten wir uns auch wieder 3h zurückschleppen, sinnierend, weshalb diese Autogeschichten denn immer so kompliziert sein müssen.
Immerhin war bei der Rückkehr im schon bekannten Hotel noch Platz und auch im Churchill waren alle andern Rallyistas versammelt und so tranken wir halt ein Bier und bekämpften unseren Frust mit dem Erzählen schöner Erinnerungen – denn davon gab es bei dieser Reise ja durchaus auch einige! Und – für’s nächste Mal wissen wir, dass dieser Plan nicht funktioniert – also auf zum weiterplanen.
Unsere Reise ist mit diesem Entscheid nun offiziell zu Ende, allerdings war damit noch nicht der letzte Tiefpunkt erreicht – davon im nächsten Sammelbeitrag mehr.
