05.08.2015: UB – UU (Ulan Bator – Ulan Ude)

Das Frühstückbuffet im Grand Hill Hotel war – grossartig – im 15 Stock oben – aber das Buffet selbst schon ziemlich geplündert und karg – Pech halt wenn man spät kommt – doch falsch gedacht – denn kaum sassen wir mit den mit Resten beladenen Tellern wurde uns das Frühstücksmenu direkt aus der Küche gebracht – typischer Fall von klassisch dreingeschossen und nachfolgend zuviel gegessen – war aber – wie sich noch herausstellen würde, bei dem Tag nicht falsch.

Der 15. Stock hatte natürlich auch den Vorteil einer gewissen Aussicht, welche es uns ermöglicht dem Leser zu dokumentieren, dass UB eine ganz normale Grossstadt ist, wie es sie zu hunderten auf der Welt gibt – etwas speziell das integrierte Stadtkraftwerk – aber auch das ist in Russland / war in der Sowjetunion ja glaubs State of the Art – und sehr praktisch ist auch der vollintegrierte Flughafen mitten im Zentrum von UB – dagegen liegt sogar der London City Airport in der absoluten Pampas.

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Und damit wird es hier auch mal Zeit zu dokumentieren, wie normal es auf den Strassen dieser Welt zugeht – da hat es immer die gleichen Autos – also Polizeiautos, Feuerwehrautos und Baustellenautos – neben den noch normaleren normalen Autos mit welchen wir euch jetzt wirklich nicht die Zeit stehlen wollen – zusammengefasst ist dazu bloss zu sagen, dass es gewisse Unterschiede gibt – aber am Ende haben alle vier Räder die meist mit 2-6 Schrauben befestigt sind, wobei wir aber auch mal gesehen haben wie eine nicht originale Felgen einfach passend gemacht wurde, indem man neue Radmutternlöcher gebohrt hat – tja es gibt halt auch bei den Mechanikern mehr und weniger Begabte.

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Vorbei an Reklameschildern und der obligaten Baustelle – in der Mongolei oft eine sehr manuelle Angelegenheit – schwierig zu sagen, ob man jetzt Sysiphusarbeit der Wischer und Wischerinnen oder der Schlaglochflicker bedauern und ihnen etwas effizienteres Werkzeug wünschen soll, oder ob man die politische Führung des Landes zum mutigen Entscheid Ineffizienzen zu schützen und so Arbeitsplätze zu erhalten beglückwünschen soll.

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Ein Schild aber stach heraus – ja Karli – das ist für dich – ob es in Magadan Burger gibt, wissen wir noch nicht – aber in der Mongolei sind die Dinger und zwar die aus Berlin!!! gross angekommen – und zwar schon seit 1992 – also fast aus prähistorischen Zeiten – denn in UB ist alles since … und das Lustige daran ist, dass wir da nicht bloss schon auf der Welt waren sondern oft sogar schon erwachsen – hätten wir also auch tun können – eine Burgerkette in der Mongolei aufzuziehen oder eine Brauerei oder… man sieht – eine dynamisch wachsende Wirtschaft!

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Überland – an impressiven Schildern vorbei – die Mongolei verabschiedet sich eindrücklich – zumindest neben der Strasse, denn auf der Strasse ist rumpeln und schütteln und holpern und ausweichen – kurz konstante Schwerarbeit am Volant vonnöten damit man dann auch über dieses Asphaltband einigermassen komfortabel und ladungsschonend drüberfliegen kann.

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vorbei an Restaurantbussen, Landschaften, religiösen Stätten oder sonstigen Momenten immer demselben Gesetz folgend: Vorwärts – follow the course of the road.

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und dieser course of the road zog sich dahin – und dahin – dazwischen warteten die einen Automechaniker auf Arbeit und die andern hatten in der Langeweile mal einfach schnell ein Monument gebaut.

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Doch plötzlich wurde die Routine aufgelockert durch ein etwas deplatziert anmutendes, entgegenkommendes Auto: Ein Rothmans Porsche 911 – mitten in der Mongolei??? Und wärend wir noch rätselten ob tatsächlich so ein Wüstenmechaniker einen Toyota Chaser auf die 911er Form gepimpt und bemalt haben könnte, kamen uns weitere seltsame Gefährte entgegen – offensichtlich eine Oldtimerrally in entgegengesetzer Richtung. Bei einem Flüsschen haben ein paar von denen Halt gemacht – wir auch, ein paar Pics geschossen und sich ausgetauscht – offenbar ist das eine französische Veranstaltung – Paris-Peking in ca 1 Monat – durchaus auch eine Leistung – v.a. mit solch historischen Fahrzeugen die noch etwas kürzere Wartungsintervalle haben.

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Und schon bald waren wir bei den letzten Jurten, bei der letzten mongolischen Grossfabrik – und wurden doch tatsächlich auf den letzten 20 Km vor der Grenze noch von der Polizei rausgewunken. Nicht weil wir was falsch gemacht hätten, sondern einfach so – und weil wir zum guten Glück auch noch die spezielle Mongolei-Haftpflichtversicherung hatten, war alles paletti und wir durften weiterfahren, bis plötzlich

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eine riesige Mongoleifahne auftauchte und unmissverständlich rüberwedelte, dass hier jetzt definitiv die Grenze sei und damit Schluss mit lustig.

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Denn der Stau vor dem Grenzübertritt war Nachmittags um 15:00 ebenso endlos wie die mongolischen Strassen und eine Umfahrung gab’s leider auch nicht.

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So taten wir, was wir in solchen Situationen immer tun – wir checkten und putzte unser Auto, begannen zu bloggen und warten mit stoischer ja mehr noch als stoisch – mit geradezu heroischer Geduld, auf dass die Grenzprozedur beginnen würde, denn noch standen wir ja nur an! Und tatsächlich schafften wir es nach ca. 2h in den mongolischen Zoll und nach ca. 1.5h auch wieder raus – aber dann stockte alles – der Fluss stoppte und anstatt, dass wir pro halbe Stunde ca. 3 Autos vorrückten standen wir einfach still. Selbst der Grenzübertritt von Mauretanien nach Senegal war damals in 6h bewältigt und wir waren immer noch am russischen Zoll am anstehen – hatten aber immerhin mal schon die Ausreise hinter uns – allerdings noch ohne Autopapiere… Immerhin waren die Zöllner recht freundlich – einer war sogar gesprächig und wir tauschten uns über die üblichen Dinge aus – er wird in 3 Wochen heiraten und da wünschen wir dem Brautpaar nur das Allerbeste und v.a. keinen Stau beim Zivilstandsbeamten.

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Jedenfalls war es dann dunkel, als wir endlich die Grenze passiert hatten und weil wir bereits einen Tag hinter Zeitplan waren, beschlossen wir unsere Scheinwerfer vom Wüstenstaub zu reinigen und dann die Nacht zum Tag zu machen und noch bis UU – also Ulan Ude durchzufahren. Dies klappte mit dem in Russland wieder funktionerenden Navi auch problemlos und auch die Strassen waren in durchaus nachtfahrbaren Zustand. In UU buchte the Face dann in magischer Voraussicht das Baikal Plaza Hotel – wie sich herausstellte, lag das gereade mal 100 Meter von der Ziellinie entfernt. Und noch besser meinte es das Schicksal mit uns, als wir um 01:30 ins Hotel eingecheckt hatten, die Hotelbar zwar cluso war – aber zwei Angestellte uns noch bis zur Churchill Bar begleiteten – denn dies war/ist das offizielle Rally-Headquarter und so sahen wir zum ersten Mal seit Omsk mal wieder ein paar Rally Kollegen.

Etwas nervös gingen wir danach schlafen, denn am nächsten Tag müssten wir sowohl den Zeitplan, als auch die Autorückführungsformalitäten definitiv klären – davon hängt letztlich die Fortsetzung unserer Reise ab – und wir lieben es, wenn ein Plan funktioniert.

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