Im Plattenbauhotel gab es ein spätes, aber herzhaftes Frühstück- danach erfolgte der Aufbruch ins Ungewisse – denn ab hier gab es für die nächsten Tage keine Plan mehr, d.h. wir hatten eine vage Vorstellung von der Route, aber das war’s dann schon. Runter an die mongolische Grenze, dort einreisen und dann auf der schnellsten Route quer durch’s Land – gemäss Google Maps ist Novosibirsk – Ulan Bator in ca 35 Fahrstunden zu machen – leider – wie sich herausstellte nicht die erste Fehlprognose des Datengiganten…
Vorerst aber verlief alles normal – etwas Regen, eine lange Strasse zum Horizont – eine hochkonzentrierte Fahrmannschaft und die Weite Sibiriens vor, neben und hinter uns.
und so fuhren wir dahin – bis ans Ende des Regenbogens und noch etwas weiter und wurden überrascht, denn je näher wir der Grenze kamen, desto gebirgiger und gleichzeitig touristischer wurde die Region
zu erkennen auch an zahlreichen Ferienhäuschen und einer zunehmenden Beschilderung der Strasse – wobei v.a. für Ferienvergnügen jeglicher Art inkl Jet Boat fahren etc geworben wurde.
Wir genossen die Szenerie und motorten dahin,
vorbei an campierenden russischen Touristen und an Souvenirmärkten, bis wir beim fünften nicht mehr anders konnten und
den Markt mal etwas genauer unter die Lupe nahmen. Das hat sich durchaus gelohnt – ich habe sogar den Hut, welcher mir von meinem Ältesten wegannnektiert wurde, wiedergefunden – scheinen hier in Mode zu sein, was schon etwas erstaunt, weil wir das Modebewusstsein der russischen Damen noch nachvollziehen können, wohingegen es sich die Männer oft sehr einfach machen, d.h. im Zweifelsfall wird einfach ein Tarnanzugmuster oder sonstige Militärklamotten montiert – und gut ist’s.
Und weil shoppen Hunger gibt, haben wir uns dann noch einen feinen Kebab-Spiess gegönnt – eine weise Entscheidung!
Denn die Touristenzone war plötzlich durchfahren und die Hotelsuche wurde sehr zäh. Ein relativ einsames Bergrestaurant liessen wir um 20:00 noch schnöde liegen, doch bald danach lag Schnee auf der Fahrbahn und so bezaubernd die Landschaft und die Abendstimmung war, so menschenleer präsentierten sich diese Bergtäler.
Die Gegend hat durchaus Ähnlichkeiten zur Schweiz – Berge sind halt zuerst mal Berge – und die müssen bezwungen werden.
Und so fuhren wir – komplett von allen Hotels verlassen in den Abend hinein, dann in die Nacht und es wurde weder bewohnter noch hotellierter, noch heller. Zum Glück hatten wir mit dem Kebab wenigstens was im Bauch und schlafen könnten wir zur Not ja auch im Auto. Bloss war dies natürlich der Notfallplan, welcher wie alle Notfallpläne ja nicht eintreten soll – aber unsere Lage wurde nicht besser. So um 22:00 gab’s endlich mal wieder einen beleuchteten Schuppen an der Strasse und wir hielten an. Drinnen eine ältere, sichtlich angetrunkene Dame mit fast leerer 2.5 Liter Bier-Pet-Flasche und zwei Angestellte – allesamt mit Null Fremdsprachenkenntnissen – bis auf die Pet-Flasche, welche auch anderssprachig beschriftet war, aber die blieb stumm. Wir also Hotel Otea etc gemurmelt – internationale Schlafgeste gemacht und tatsächlich schien es in der Nähe ein Guest House zu geben, doch ergab ein Augenschein vor Ort, dass die Reception nur bis 20:00 besetzt war – Pech gehabt und ergo weitergefahren – endlos – nach einer weiteren Stunde wurde dann der Notfallplan aktiviert – die nächste sinnvolle Haltegelegenheit würde für eine Autonacht genutzt. Aber – vielleicht weil the Face der alten Dame noch einige Rubel gespendet und damit etwas für unser Kharma getan hat – da tauchte doch tatsächlich nochmals ein hell erleuchtetes Haus auf: Ein Restaurant – also nix wie rein – Essen ist nie falsch und wo’s Essen gibt, gibt’s oft noch mehr.
Und tatsächlich das Restaurant vermietete auch noch Schlafhütten – gerettet. Also haben wir noch kurz was gegessen – the Face das weltberühmte altaische Pferdefleisch und Dr CJS irgendwelche süss-rauchig-nussigen Kugeln – ebenfalls Altai-Kulinarik pur, wobei die Kugeln bloss nicht sehr fein – das Pferdefleisch leider hingegen schon etwas ältlich war, was the Face dann die nächsten Tage bitter bereuen musste. Ansonsten war’s aber sehr lustig – unsere Nachbarn waren ein Moskauer Filmteam, welches einen Dokumentarfilm über die Region drehte und seitens des Restaurant half ein junger Archäologe mit Übersetzen – und er hat uns dann bei wunderschönem Mondlicht noch sehr lange Geschichten über Altai und die verschiedenen Religionen und Stämme dieser Turk-Völker erzähl. sehr wichtig waren im auch die Berge, denn diese Turk-Völker betrachten – diese Altai Berge als Wiege der Menschheit betrachtet, von welcher aus die ganze Welt besiedelt wurde. Dazu gab’s auch noch Geschichten über Bären, Schneeleoparden und fette Pferde – denn wenn der 8. Vollmond ist, muss ein gutes Pferd fett sein, damit es den Winter übersteht. Eine wirklich eindrückliche Gegend und – ich liebe es, wenn man den Notfallplan nicht braucht!

Ich mag dein Storytelling… Lese die Einträge und muss viel schmunzeln und manchmal auch laut herauslachen… Mein Abenteurerherz schlägt mit euch. Gute Weiterfahrt!
//Dave