29. 07.2015: Omsk – Novosibirsk

Die Berichterstattung ist für einmal nicht mehr ganz akkurat. Denn der Moment in dem diese Zeilen geschrieben werden ist ca. 5 Tage und 3000 Km später und dazwischen liegen Welten! Bis anhin haben wir ja primär kräftig ins Lenkrad gebissen und das Gaspedal mit allem traktiert, was vorhanden war – rechter Fusss, linker Fuss, Ziegelsteine, Bierdosen, Knebel etc. – aber in der Regel haben wir immer ein Hotel angelaufen, korrekt rasiert, After Shave aufgetragen, den lokalen Ausgang gecheckt und ein ziemlich normales Leben geführt. Aber zwischenzeitlich sind wir  kurz verschluckt worden vom russischen Grenzgebiet und der Mongolei – kein Empfang, keine Disco, keine Dusche – ca 1 Woche lang. Und daher müsst ihr entschuldigen, wenn die Berichterstattung nicht mehr messerscharf akkurat sondern etwas errinerungsmässig geschönt daherkommt.

Jedenfalls haben wir Omsk guten Mutes verlassen, um uns einmal mehr den russischen Weiten zu stellen – vorwärts:

Kurgan-Omsk018 seitwärts,  Kurgan-Omsk037 rückwärts und nochmals von vorn.

Omsk war durchaus ein netter Stopp – mit einigen Kulturbauten – leider etwas verregnet, aber trotzdem sehenswert!

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In der lokalen Kathedrale wurden dann noch ein paar Kerzen auf das Gelingen der Reise angezündet und danach haben wir Segel gesetzt für Novosibirsk – eine weitere lockere Tagesetappe

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und wir sind sicher – Novosibirsk im Sonnenschein ist noch um einiges beeindruckender als so, auch wenn so typischer sein dürfte – denn wir reisen ja in den Sommermonaten und wie erst der sibirische Winter ausschaut, wollen wir uns nicht ausmalen.

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Sibirien ist ohnehin schon speziell – die Weiten extrem und die Häuser allesamt eher bescheiden – denn schliesslich muss ja fast immer geheizt werden.  Die nächsten Bilder stammen übrigens nicht von irgendeinem Dorf in der Pampas – pardon Taiga oder so, sondern aus Omsk selbst – also der Hauptstadt Sibiriens – quasi – müssen wir mal noch googeln – ist aber in der mongolischen Pampa schwierig – dazu später mehr!

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Und neben den Holzhäuschen gibt es auch propere Wohnblöcke aus Stein – deshalb gibt es ja auch keine Berge hier. Jedenfalls fast.

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Also Überland, was wie überall auf der Welt über Land bedeutet, d.h. anders als die Seemänner, welche die Wellen lesen, lesen wir die Weizenfelder, deuten die Strommasten und wissen instinktiv, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

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Dem Weg – the road – resp on the road, wie es Meister Jack – bitte jetzt nicht verwechseln mit dem Old No. 7 aus Kentucky Tennessee, sondern dem Mr Kerouc, Altvater aller Traveller und aller Hippies, wobei wir da eben nicht mitreden können, so treffend beschrieben hat. Und die great plains die gibt es nicht bloss im Land der Homies und der Braven, sondern auch bei Mütterchen Russland – aber schaut selbst:

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Dazwischen wollte Mad Murdoch dann wieder mal fliegen, aber B.A. Baracus war eher für den Bodentransport.

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Eine solche Reise gibt immer auch wieder Rätsel auf, z.B. was denn diese Karren mit der Aufschrift Rwia (oder so ähnlich transkribiert) tatsächlich verkaufen. Die Hypothese von Dr. CJS war Pelze von Tieren die gewildert wurden, denn die Ware war nie ersichtlich – anders als die Samoware vom Panzerkreuzer Potemkin oder so. The Face hielt dies für eine Räuberpistole, weil die Schilder ja viel zu offensichtlich seien. Dr CJS konterte, dass man die Schilder ja Schilder sein lassen könne und wenn die Polente nahen würde, man einfach Stoff oder eben Gas geben könne. Die Diskussion wogte hin und her bis Dr. CJS ein Leopardenfell auf ebeneinemsolchen Wagen erspähte und mittels Powerdrift Kehrtwende einleitete. Damit war dann das Rätsel gelöst – die Wagen verkauften tatsächlich wohl einfach geräucherte Fische – für die Russen ein absolutes Grundnahrungsmittel, ohne welches der Vodka schwere Nebenwirkungen entfalten kann. Aber die exakte Mischung aus Räucherfisch und Vodka gibt den Leuten in diesen kargen Regionen exakt die Menge an benötigten Vitaminen, Stimmungsaufhellern und Kalorien, dank derer sich die dunklen Wintermonate durchhalten lässt. Wir waren allerdings noch sonnengebräunt genug, um wiederstehen zu können – ist ja auch nicht fair, den Menschen hier essentielle Lebensmittel wegzuessen.

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Später dann eine triumphale Einfahrt in Novosibirsk – der Stadt, die niemals schläft – jedenfalls nicht im Sommer – aber dazu später mehr.

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Und auch die Transsibirische haben wir gesehen, jedenfalls deren Brücke.

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Nach dem phänomenalen Nachtlager im Whirlpool in Kurgan, beschlossen wir, es hier in Novosibirsk etwas dezenter angehen zu lassen. Dass wir dann aber komplett undervcover in einem  der letzten, von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärten Plattenbau, nächtigen würden, hätten wir auch nicht gedacht – wir lieben es trotzdem, wenn ein Plan funktioniert!

Omsk-Novosibirsk090 und vor dem Plattenbau die lokale Opelgang – wir warteten dann erst die Dunkelheit ab, bevor wir uns in den Ausgang wagten. Omsk-Novosibirsk092

Auch sonst gab es viel zu rätseln, z.B. weshalb beim Nachbarhaus noch eine Flasche auf dem Dach deponiert war: War das Dach nicht ganz dicht? Oder der Dachdecker schon zu sehr? Oder ein Notvorrat eines verzweifelten Studenten mit einer gestrengen Schlummermutter?

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Jedenfalls genossen wir all die Annehmlichkeiten der zivilisierten Welt, checkten die Punktewolke der Mongol Rally, welche ja völlig Banane ist – denn wer zuerst ankommt, ist der erste Verlierer – es sei denn, man habe weiter Pläne…

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Jedenfalls war der Plattenbau ganz proper und wir auch schon wieder ziemlich entspannt –

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also los ein Stadtrundgang muss sein. Allerdings sind die Bilder auf einer anderen Kamera und müssen daher später nachgereicht werden. Es wurde auf jeden Fall ein lustiger Abend, wobei wir versichern können, dass a) Novosibirsk eine gute Bierkultur hat und man problemlos PA, APA, IPA etc aus aller Welt kriegen kann, was wiederum Sinn macht, da es i) Amerika gar nicht gibt und man deshalb auch St. Petersburger APA trinken kann und II) die Wege nach Indien natürlich unterschiedlich sind, weshalb auch das IPA spannende Unterschiede aufweist b) die Stadt nie schläft – was damit bewiesen ist, dass wird danach auch unseren Hunger noch problemlos in einem 24h Restaurant stillen konnten – auf der Terasse, wo auch Rauchen erlaubt war, was dann länger dauerte… das war nun nicht so geplant – und c) wäre sogar als Plan B quasi sogar noch eine Alpengrotte geöffnet gewesen, aber das liessen wir dann sein, können wir ja auch zu Hause haben.

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